Gefahrenzone Kindersitz: Warum teure Modelle allein nicht reichen
16 Kindersitze im Test – Crashtest deckte kritischen Sicherheitsmangel auf
Zusammenfassung
- Bedienungsfehler und falsche Handhabung können die Schutzwirkung von Kindersitzen stark beeinträchtigen, daher ist eine genaue Einweisung wichtig.
- Im aktuellen ÖAMTC-Test schnitten Kindersitze in allen Preisklassen unterschiedlich ab; auch günstige Modelle können Testsieger sein, während teure Modelle Schwächen zeigen.
- Die meisten getesteten Sitze sind in Sachen Schadstoffe und Umweltverträglichkeit positiv aufgefallen, bei Sicherheit und Bedienung gab es jedoch größere Unterschiede.
Bedienungsfehler können die Schutzwirkung von Kindersitzen erheblich reduzieren. Umso wichtiger ist es laut ÖAMTC-Experten, sich nach dem Kauf (oder nach Möglichkeit schon beim Beratungsgespräch im Handel) mit der Handhabung vertraut zu machen.
Wichtig: Nicht nur die Anleitung des Kindersitzes, sondern auch das Betriebshandbuch des Fahrzeugs ist zu beachten. Folgende vier Fehler sollte man nie machen:
- Fahrzeug- und Hosenträgergurte müssen immer straff angezogen werden.
- Jacken unter dem Beckengurt herausziehen, der Gurt sollte möglichst nahe am Körper anliegen.
- Gurte, Kopfstütze und Rückenlehne regelmäßig an die Größe des Kindes anpassen, keinesfalls zu früh zum nächstgrößeren Kindersitz wechseln.
- Die Lehne des Sitzes, hinter dem der Kindersitz montiert wird, keinesfalls zu weit nach hinten stellen: Reicht der Abstand nicht aus, kann der Kopf des Kindes an den Vordersitz prallen.
Der ÖAMTC und seine Partnerorganisationen haben 16 aktuelle Kindersitze getestet. ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl zu den Ergebnissen: "Neben zehn "befriedigend" schafften diesmal drei Sitze ein "gut", zwei wurden mit "genügend" bewertet. Ein Modell ist mit "nicht genügend" durchgefallen: Beim Frontalcrash löste sich die Babyschale Kinderkraft Mink Pro 2 von ihrer Isofix-Basis Mink FX2 und wurde durch das Fahrzeug geschleudert."
Darüber hat der ÖAMTC bereits Anfang April, als die Testserie durchgeführt wurde, berichtet. "Der Hersteller hat direkt und vorbildlich reagiert und bietet seither die Rückgabe oder einen Umtausch des betroffenen Produkts an", so der Experte. Davon unberührt wurde dasselbe Modell ohne Isofix-Basis – also bei Sicherung mittels Fahrzeuggurt – mit einem soliden "befriedigend" bewertet.
Sitze in allen Preisklassen
Getestet wurde in den bewährten Kategorien Sicherheit, Bedienung, Ergonomie, Schadstoffgehalt und Umweltverträglichkeit. Der ÖAMTC legt dabei deutlich höhere Maßstäbe an, als die Zulassungsprüfung – was mitunter auch der Grund dafür ist, dass Produkte, die mit "nicht genügend" bewertet werden, im Handel zu kaufen sind.
"Insgesamt gibt es aber eine große Auswahl an empfehlenswerten Kindersitzen für jedes Alter und in allen Preisklassen", stellt Kerbl klar. "Das zeigte sich auch heuer wieder: Bei den mit "gut" beurteilten Testsiegern ist neben den mittel- bis höherpreisigen Modellen Sirona Ti und Pallas G3 von Cybex mit dem Kinderkraft Junior Fix 2 i-Size auch ein sehr günstiger Testkandidat zu finden."
Der ÖAMTC und seine Partnerorganisationen haben 16 aktuelle Kindersitze getestet. Neben zehn 'befriedigend' schafften diesmal drei Sitze ein 'gut', zwei wurden mit 'genügend' bewertet. Ein Modell ist mit 'nicht genügend' durchgefallen.
Die mit "befriedigend" beurteilten Kindersitze verfügen jeweils über ihre eigenen, teils sehr unterschiedlichen Stärken und Schwächen – hier hilft ein Blick in die Detailergebnisse unter www.oeamtc.at/kindersitztest. ÖAMTC-Experte Kerbl: "Durchgehend positive Ergebnisse haben wir vor allem in Hinblick auf Umweltverträglichkeit und Schadstoffe – das war nicht immer so und ist durchaus eine positive Überraschung." Nicht ganz so gut lief es diesmal in den anderen Kategorien, wo nur in Einzelaspekten sehr gute Werte erreicht wurden.
Erhöhtes Verletzungsrisiko?
Wie ambivalent es beim Kindersitztest oft zugeht, zeigen die beiden mit "genügend" bewerteten Modelle: Der Lionelo Lavender i-Size ist für einen sehr langen Einsatzzeitraum konzipiert – eine interessante Idee, die allerdings Kompromisse beim Einbau erfordert und auch der Sicherheit nicht zuträglich ist.
"Sowohl im Front- als auch im Seitencrash haben wir ein erhöhtes Verletzungsrisiko festgestellt, was letztlich zur Abwertung von "befriedigend" auf "genügend" geführt hat." Beim Axkid Minikid 4 Pro, einem der teureren Produkte im Test, gab es hingegen kaum Probleme mit der Sicherheit – dafür aber mit dem aufwendigen, platzintensiven und fehleranfälligen Einbau.
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