Fakt oder Fake: Sind Elektroautos wirklich weniger pannenanfällig als Verbrenner?

E-Auto oder Verbrenner: Die ADAC-Pannenstatistik 2026 verrät, wer weniger häufig liegenbleibt. Und sagt auch, warum.
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Welche Autos sind besonders zuverlässig oder fehleranfällig? Um diese Frage beantworten zu können, hat der ADAC in seiner Pannenstatistik 2026 die Pannendaten der zulassungsstärksten Fahrzeuge in Deutschland untersucht und analysiert, welche Modelle wie oft liegen blieben und warum.

Eine Frage, die immer wieder auftaucht: Sind Elektrofahrzeuge pannenanfälliger als Verbrenner? Bei dieser Frage gibt es grundsätzlich eine Schwierigkeit hinsichtlich der Vergleichbarkeit: Das Durchschnittsalter aller in Deutschland zugelassenen Autos liegt laut Kraftfahrt-Bundesamt bei über zehn Jahren. Die gewerteten E-Fahrzeuge dagegen sind noch deutlich jünger. Da die Pannenwahrscheinlichkeit mit steigendem Fahrzeugalter wächst, ist ein Vergleich der Pannenanfälligkeit zwischen E-Fahrzeugen und Verbrennern über den gesamten Bestand unfair.

Ein (un-)fairer Vergleich?

Der ADAC vergleicht daher Verbrenner (Diesel wie Benziner) sowie reine Elektromodelle nur bezogen auf die Erstzulassungsjahre 2020/2021/2022/2023. Damit ist die Datenbasis statistisch sauber.
 

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Der Vergleich zeigt, dass Verbrenner in jedem Alter häufiger Pannen erleiden als Elektrofahrzeuge.

Der Vergleich zeigt, dass Verbrenner in jedem Alter häufiger Pannen erleiden als Elektrofahrzeuge. Zudem steigt die Pannenkennziffer bei Verbrennern mit zunehmendem Alter absolut stärker an. Musste die ADAC-Straßenwacht im Jahr 2025 bei zweijährigen Elektroautos zu 2,1 Pannen pro 1000 Bestandsfahrzeugen ausrücken, waren es bei Verbrennern 5,8 Pannen. Das ergibt einen Unterschied von 3,7 und entspricht fast zwei Drittel weniger Pannen bei zweijährigen Elektroautos.

Häufigkeit einer Panne ist bei Elektroautos geringer

Innerhalb von drei Jahren steigt die Pannenkennziffer bei Elektroautos um 8,2 auf 10,3 Punkte bei fünfjährigen Fahrzeugen an, bei Verbrennern um 11,6 auf 17,4 Punkte, sodass der Unterschied 7,1 Pannen pro 1000 Bestandsfahrzeugen beträgt. Das heißt, die Häufigkeit einer Panne ist bei fünfjährigen Elektroautos um 40 Prozent geringer als bei Verbrennern im Alter von fünf Jahren.

Innerhalb der Elektroautos sind die einzelnen Erstzulassungsjahre jedoch weniger gut vergleichbar, da sich die Anzahl und Zusammensetzung der Modelle von 2020 bis 2023 verändert hat. Hatten 2020 nur wenige Modelle einen großen Einfluss auf die Pannenzahlen, war die Auswahl an Elektroautos 2023 um einiges vielfältiger.

Technisch lässt sich dieses Muster dadurch erklären, dass batterieelektrische Fahrzeuge über deutlich weniger verschleißanfällige Komponenten verfügen. Typische Fehlerquellen klassischer Antriebsstränge wie Kupplung, Auspuffanlage, Zündsystem, Kraftstoffsystem oder ölbasierte Schmierung entfallen bei vollelektrischen Modellen ganz. Der elektrische Antrieb arbeitet außerdem mit weniger beweglichen Teilen und verursacht geringere thermische und mechanische Belastungen.

In der unteren Grafik ist die Pannenkennzahl (Pkz) im Bauteilvergleich für die Fahrzeuge mit Erstzulassungsjahr 2021 dargestellt. Hier zeigt sich, an welchen Stellen es konkret hapert.

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In der Grafik ist die Pannenkennzahl (Pkz) im Bauteilvergleich für die Fahrzeuge mit Erstzulassungsjahr 2021 dargestellt. Hier zeigt sich, an welchen Stellen es konkret hapert.

Die Starterbatterie ist unabhängig von der Antriebsart für die größte Anzahl an Pannen verantwortlich, Elektroautos sind aber deutlich weniger häufig betroffen.

Elektroautos haben häufig Pannen aufgrund von Problemen mit der Bordelektronik. Dies liegt unter anderem daran, dass die 12-Volt-Batterie, die das Bordnetz versorgt, anfällig ist und oft schneller entladen wird. Ein Grund kann auch sein, dass die Nutzer ihre Fahrzeuge per App deutlich häufiger "aufwecken", als von den Herstellern vermutet. Diese Startvorgänge belasten die Starterbatterie relativ stark.

Weniger Teile bedeuten weniger Verschleiß

Im Bereich Motor, Motormanagement, HV-System erleiden Verbrenner etwas häufiger eine Panne als Elektroautos, was in der einfacheren Konstruktion des Elektroantriebs begründet ist. Während Verbrenner aus Hunderten von Teilen wie Kolben, Ventilen oder Turboladern bestehen, hat ein Elektromotor oft nur ein bewegliches Teil, den Rotor. Weniger Teile bedeuten weniger Verschleiß.

Des Weiteren benötigen Elektroautos kein Motoröl, das im Laufe der Zeit verschmutzen und den Motor schädigen könnte. Zudem produzieren Elektromotoren weniger Abwärme als Verbrenner, die bei hohen Temperaturen arbeiten und höheren Verschleiß verursachen.

Die höhere Anzahl an Problemen mit den Schließsystemen bei Autos mit Verbrennungsmotor führen die Experten der Straßenwacht auf den höheren Anteil an Konnektivität beim E-Auto zurück. Hintergrund: Viele E-Fahrzeuge lassen sich per App oder durch den Hersteller öffnen. Ein im Auto versehentlich eingesperrter Schlüssel wird in diesen Fällen auch ohne Hilfe des ADAC wieder erreichbar. Für Verbrenner gibt es derartige Technologien auch, aber diese sind seltener.

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