Smatrics-Chef: „E-Autos waren zuerst grüner, jetzt sind sie günstiger“
Hauke Hinrichs und Sandra Baierl im KURIER-Studio.
Hauke Hinrichs ist von E-Autos überzeugt – generell und aus seinem Job heraus. Er ist überzeugt: Es brauche kein Verbrennerverbot, der Markt werde es richten.
KURIER: Österreich hat ein ziemlich gut ausgebautes Ladenetz. Wie sehen Sie die Infrastruktur?
Hauke Hinrichs: Wir haben in Österreich 40 Elektrofahrzeuge auf einen HPC- Schnellladepunkt, also Laden über 150 kW. Deutschland hat 60 Fahrzeuge pro Schnellladepunkt. Österreich ist nach Norwegen und den Niederlanden die Nummer drei in Europa.
Wie kam das?
Österreich war ein sehr frühes Elektroland. Es hat sich dann ein bisschen abgeschwächt, aber wir sehen jetzt auch durch die Bundesregierung, durch das Förderprogramm E-Move, dass der politische Wille da ist.
Können Sie den lauten Ruf nach dem Ausbau der Ladeinfrastruktur verstehen? Wir sind top unterwegs. Wir haben alle 40 Kilometer einen Schnellladepunkt. In Gesamtösterreich gibt es kaum noch Flecken. Betrachtet man das Verhältnis Verbrenner zu Tankstelle, ist man ungefähr bei 400 Autos pro Zapfsäule.
Wo sehen Sie Schwächen in der Ladeinfrastruktur?
Ich glaube, dass wir geliefert haben. Und dass jetzt der Hochlauf der Elektromobilität kommen muss. Wir haben einen sehr kompetitiven Markt, viele investieren. Der Run auf Lade-Standorte ist schon lang im Gang und meiner Meinung nach sind die besten Standorte auch schon weg. Jetzt muss eigentlich mal der Fahrzeugmarkt kommen, weil auf den warten wir alle.
Wie gut sind unsere Netze für einen weiteren Ausbau gerüstet?
Im Moment sieht es noch gut aus. An der einen oder anderen Stelle haben wir zwar schon Netzengpässe, wo auch gewartet werden muss. Das dauert dann drei bis fünf Jahre, bis Mittelspannungsstationen ausgebaut werden.
Was ist Ihre Kilowatt-Mindestanforderung beim Errichten einer Ladestation?
Aktuell 200. Es geht bis 400 Kilowatt – und das wird nicht das Ende der Fahnenstange sein.
Elektro-Enthusiast
Seit 2017 ist Hauke Hinrichs bei Smatrics, seit 2018 COO und Geschäftsführer (auch vom Joint Venture SMATRICS EnBW mit der Energie Baden-Württemberg). Er fährt seit 2011 rein elektrisch, damals mit einem umgebauten Fiat 500 im Rahmen eines Forschungsprojekts. Heute fährt er Audi e-tron.
1.000 Ladepunkte
Smatrics plant und betreibt Ladeinfrastruktur in Österreich und Deutschland. Aktuell: 214 Ladestandorte und 1.000 Ladepunkte. 2026 sind 250 weitere Ladepunkte vorgesehen. Smatrics ist eine Tochter von Verbund und EnBW Energie Baden-Württemberg.
Manche reden von 1000-KW-Ladestationen. Was kommt aus Ihrer Sicht noch?
Also ich glaube, es wird im Mittel bis 500, 600 kW gehen. 1000 kW ist eine enorme technische Leistung.
Es gibt oft den Vorwurf der fehlenden Transparenz beim Laden.
Manche Mythen halten sich beständig. Wenn man einen Vertrag hat, eine Ladekarte, kennt man die Preise für das eigene Netz und für das Roaming-Netzwerk. Beim Ad-hoc-Laden, also mit Kreditkarte, haben wir an allen HPC-Stationen in Österreich schon seit Jahresanfang eine Kreditkarten-Akzeptanz. Und da steht ganz genau auf dem Display, was man pro Kilowattstunde zahlt.
Warum kostet eigentlich eine Schnelllade-kWh viel mehr als eine Langsamlade-kWh?
Weil die Netznutzung in Österreich und hier vor allem der Faktor Leistung sehr teuer ist. Man zahlt bei den Netzentgelten für die höchste Viertelstunde Last. Das macht die Kilowattstunde teurer. Zudem: Die Ladeinfrastruktur kostet im Ausbau Hunderttausende Euro.
Wir sind wir in einer Phase, in der Energie gerade teurer wird. Welche Preisentwicklung sehen Sie für das E-Autoladen?
Natürlich bestimmt nicht nur das Netz, sondern auch die Strombeschaffung den Preis. Da haben wir aber nicht die Versetzungen, die es jetzt auf dem Ölmarkt gibt. Aber natürlich sehen wir auch einen kleinen Preishub durch das Gas, das teurer geworden ist.
Ganz konkret, müssen Sie demnächst die Preise fürs Laden anheben?
Nein. Wir haben uns langfristig abgesichert. Und der Spotmarkt hat sich nicht so stark entwickelt. Wenn man von Februar auf März blickt, ist der Spotmarktpreis sogar gefallen. Aber das hat eher was mit PV zu tun, als mit dem etwas teureren Gas.
Zu Gast im KURIER Business Gespräch: Hauke Hinrichs, CEO Smatrics
Aktuell zahlt man für 100 Benzinkilometer circa 12,5 Euro, für 100 Stromkilometer rund 8,2 Euro. Ein Preisvorteil, der den Verkauf von E-Autos pushen kann?
Wir sehen einen Ansprung in den Neuzulassungen. 70 Prozent der Suchanfragen bei Vergleichsportalen sind gerade zum Thema Elektromobilität. Also: Die Menschen überlegen wirklich. Zuerst war das Elektrofahrzeug nur grüner. Jetzt wird es günstiger und sicherer. Wir haben 80, 90 Prozent erneuerbaren Strom aus Österreich. Den können wir nutzen. Ich glaube, die Menschen merken, dass man sich mit Gas aus Russland und Öl aus Saudi-Arabien und Katar nicht wirklich clever aufstellt.
Im vergangenen Jahr waren rund 20 Prozent der Verkäufe vollelektrische E-Autos. Was ist Ihre Vorhersage für das laufende Jahr 2026?
Ich muss jetzt die Glaskugel rauslegen, aber ich glaube, wir werden so zwischen 25 und 30 Prozent liegen. Das wäre ein Riesensprung und ich glaube daran. Es wird jetzt schnell gehen. Krisen wie im Iran regen zum Umdenken an, wie man sich globalpolitisch aufstellt und auf was man als Antriebsform setzt. Und der CO2-Preis in Europa wird sein Übriges dazutun.
Es gibt oft die Sorge, dass gar nicht so viel Strom da ist, um alle Autos zu versorgen.
Würden alle Autos in Österreich elektrisch fahren, hätten wir einen Strommehrverbrauch von zehn Prozent. Das geht sich locker aus.
Verbrenner- gegen Elektroauto ist an vielen Stammtischen eine Diskussion. Wie argumentieren Sie?
Ich sage mittlerweile, lasst uns dieses Verbrenner-Aus abschaffen. Und lasst und einfach gucken, was dann passiert. Die beste Technologie soll gewinnen. Ideologische Diskussionen führen nur zu einer Verhärtung der Fronten. Klar, Fahrzeuge aus Zuffenhausen und Maranello werden auch in 10, 15 Jahren immer noch mit Benzin fahren. Die bringen vielleicht auch Spaß. Aber der Rest kommt von selbst.
Sie sagen, der Markt wird es selbst regeln.
Exakt.
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