Drastische Zunahme bei Rad- und E-Bike-Unfällen: Was tun?
Zusammenfassung
- 2025 starben 397 Menschen im Straßenverkehr Österreichs, darunter eine Verdoppelung der Todesfälle bei Radfahrern und E-Bike-Lenkern auf 65.
- Das BMIMI reagiert mit Ausbau sicherer Radinfrastruktur, strengeren Regeln für neue Mobilitätsformen und der "Vision Zero" für Kinder.
- Hauptunfallursachen sind Unachtsamkeit, nicht angepasste Geschwindigkeit und Vorrangverletzungen, die über 70 Prozent der tödlichen Unfälle ausmachen.
397 Menschen sind laut dem Innenministerium (BMI) im Jahr 2025 auf Österreichs Straßen tödlich verunglückt. Obwohl das einen Anstieg von 13,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr mit 351 Getöteten bedeutet, ist dies auch ebenso die fünftniedrigste Opferzahl seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1950. Nur von 2020 bis 2022 und 2024 lag die Zahl ebenfalls unter 400.
Todesfälle bei Radfahrern und E-Bikern verdoppelt
Eine drastische Entwicklung zeigt die Verdoppelung der Zahl der getöteten Radfahrer und E-Bike-Lenker, die von 32 im Jahr 2024 auf 65 - davon 31 mit Elektro-Fahrrädern - im Vorjahr anstieg. Das bedeutet laut BMI langfristig die höchste Opferzahl seit dem Jahr 2002 mit 80 Getöteten. Zudem wurde auf die vermehrten Schwerpunktaktionen in diesem Detailbereich hingewiesen.
Bundesminister Peter Hanke reagiert auf die aktuelle Bilanz der Verkehrstoten 2025. „Hinter jeder dieser 397 Zahlen steht ein Mensch, eine Familie, ein Schicksal. Und hinter der Verdoppelung der getöteten Radfahrer – von 32 auf 65 – steht ein klarer Auftrag: Wir brauchen nicht mehr Kulturkampf auf unseren Straßen, sondern mehr Sicherheit für alle, die unterwegs sind", so der Minister.
Für Hanke ist die Botschaft eindeutig: „Österreich braucht keine Debatte darüber, wer moralisch ‚richtiger' unterwegs ist – ob mit Auto, Rad oder zu Fuß. Wir brauchen Infrastruktur, die allen Platz und Sicherheit gibt." Die drastische Zunahme bei Rad- und E-Bike-Unfällen (höchste Zahl seit 2002) zeigt laut Minister: „Wir haben in den letzten Jahren zwar mehr Menschen aufs Rad gebracht – aber nicht überall die Infrastruktur mitgebaut, die sie schützt."
Das BMIMI setzt daher auf drei Ebenen an:
1. Konkrete Infrastruktur
- Ausbau geschützter Radwege entlang Bundesstraßen (180 Mio. Euro im ASFINAG-Rahmenplan)
- Sichere Querungsstellen an Unfallschwerpunkten (Datenanalyse durch AIT)
- 200 neue multimodale Mobilitätsknoten bis 2029 mit sicheren Rad-Abstellanlagen
2. Klare Regeln für neue Mobilitätsformen
Die vom BMIMI vorbereitete Sammelnovelle zur StVO wird die Mobilität auf zwei Rädern sicherer machen:
- E-Mopeds: Einstufung als Kraftfahrzeuge mit Zulassungs-, Führerschein- und Versicherungspflicht sowie Helmpflicht
- E-Scooter: Klare Definition als Fahrzeuge, Helmpflicht bis 16 Jahre, Ausstattung mit Blinkern/Klingeln, 0,5º/₀₀-Grenze
- E-Bikes: Helmpflicht bis 14 Jahre – als Teil der "Vision Zero" für Kinder
3. Vision Zero für Kinder
Acht Kinder starben 2025 im Straßenverkehr. „Jedes einzelne ist eines zu viel", betont Hanke. „Deshalb setzen wir uns das Ziel: Bis 2030 kein Kind mehr, das im Straßenverkehr stirbt." Konkrete Schritte dafür:
- 2026: Start der bundesweiten Helm-Kampagne für Kinder
- 2027: Verkehrssicherheits-Bildung in jedem Kindergarten und jeder Volksschule Österreichs (Pilotprojekt mit 200 Schulen startet 2026)
- 2028: Alle Schulwege an Bundesstraßen mit sicheren Querungen ausgestattet
- 2029: Evaluierung und Anpassung basierend auf Unfallzahlen
Technologie für Sicherheit
Das BMIMI fördert über den Verkehrssicherheitsfonds (VSF) gezielt Forschungsprojekte, etwa zur Sicherheit von Kindern in Lastenrädern oder zu intelligenten Warnsystemen für Abbiegeunfälle.
Ein weiterer Baustein: automatisiertes, kamerabasiertes Zufahrtsmanagement für Kommunen. „Wir geben Gemeinden die Werkzeuge, um Wohngebiete zu beruhigen – effizient, ohne ständige Kontrollen und für alle transparent nachvollziehbar", erklärt Hanke.
Mit 164 Pkw-Insassen, die 2025 ihr Leben lassen mussten, liegt dieser Fahrzeugtyp jedoch vorne. Bei den 81 getöteten Motorradfahrern waren 22 mit Leichtmotorrädern unterwegs. Auf die bereits genannten 65 Radfahrer folgen 53 Fußgänger und elf Lkw-Insassen (davon neun im Klein-Lkw). Acht Lenker von Zug- und Arbeitsmaschinen, sieben Mopedfahrer, sechs Lenker von E-Scootern und zwei sonstige Beteiligte komplettieren die Liste.
Unachtsamkeit führt bei Unfallursachen
Die drei üblichen Hauptunfallursachen Unachtsamkeit/Ablenkung (30,5 Prozent), nicht angepasste Fahrgeschwindigkeit (25,3 Prozent) sowie Vorrangverletzung (16,6 Prozent) haben zusammen einen Anteil von über 70 Prozent. Fehlverhalten von Fußgängern (6,3 Prozent) oder gesundheitliche Beeinträchtigungen (4,5 Prozent) auf den weiteren Rängen liegen bereits im einstelligen Bereich. Alkohol, Drogen oder Medikamente waren bei 26 bzw. 6,8 Prozent der tödlichen Unfälle gegeben - hier wurden aber jeweils Rückgänge festgestellt.
Der Großteil der tödlichen Unfälle ereignet sich auf den ehemaligen Bundesstraßen (147 Getötete), gefolgt von Landesstraßen (114) und sonstigen Straßen (91). Die 45 Verkehrstoten auf Autobahnen und Schnellstraßen haben hier nur einen Anteil von 11,3 Prozent. Acht Kinder im Alter bis 14 Jahren kamen im Straßenverkehr 2025 ums Leben, 2024 verunglückten vier und 2023 sieben Kinder tödlich.
Der schwerste Verkehrsunfall des vergangenen Jahres ereignete laut BMI sich am 1. April 2025 auf der A2 Südautobahn im Bezirk Neunkirchen in Niederösterreich. Bei einem Auffahrunfall eines Pkw-Lenkers auf einen Sattelzug wurden damals fünf weibliche Pkw-Insassen aus der Ukraine getötet.
Der österreichweite Gesamtanstieg geht mit einem Anstieg an Todesopfern in sieben Bundesländern einher, die meisten gab es dabei mit 108 in Niederösterreich (2024: 84), gefolgt von Oberösterreich mit 73 (72) und der Steiermark mit 65 (63). Anstiege gab es auch in Tirol mit 44 (32), Kärnten mit 35 (30), dem Burgenland mit 19 (15) und Vorarlberg mit 14 (7) tödlichen Unfällen. Rückgängig waren die Zahlen hingegen in Salzburg mit 24 (28) und in Wien 15 (20).
Das schwärzeste Jahr in der Statistik bleibt 1972 mit 2.948 tödlichen Vorfällen. Im Vergleich dazu hat sich die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge in Österreich seit 1972 von 2,5 Millionen jedoch auf 7,4 Millionen im Vorjahr nahezu verdreifacht, berichtete das BMI in einer Aussendung.
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