Mercedes 500 E: Der Benz made by Porsche

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Vor 30 Jahren verblüffte der Wolf im Schafspelz aus Stuttgart die Fachwelt.

Anno 1990 sorgte Mercedes auf dem Pariser Autosalon mit einem besonderen Auto für Aufsehen. Dabei war die Optik der Limousine gar nicht so aufregend - dafür war das, was der Benz unter der Motorhaube hatte, schon interessanter. Und vor allem war die Entstehung der Powerlimousine spannend, entstand doch der 500 E als Kooperation zwischen Mercedes und Porsche.

Mercedes und Porsche installierten einen V8 mit fünf Liter Hubraum und 326 PS im Motorraum der Baureihe W 124. Mit dem serienmäßigen Automatikgetriebe erreichte der 500 E die 100-km/h-Marke nach 5,9 Sekunden. Die tatsächlich erreichbare Höchstgeschwindigkeit wurde verschwiegen, bei 250 km/h hat man jedenfalls elektronisch abgeregelt. Das sind Werte eines echten Sportwagens in einer optisch eher dezenten Limousine.

Der V8-Motor war im Prinzip jener aus dem 500 SL, unterschied sich von dem des SL durch eine erstmals bei Mercedes-Benz verwendete elektronisch gesteuerte Saugrohrbenzineinspritzung „Bosch LH-Jetronic“ mit Hitzdraht-Luftmassenmessung.

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Die frühen Konstruktionsentwürfe des W 124 um 1980 herum berücksichtigten übrigens bereits den möglichen Einbau eines Achtzylindermotors. Als die Idee Ende der 1980er-Jahre wieder aufgegriffen wurde, zeigte sich aber bald, dass doch einige Änderungen am Vorbau notwendig waren und die Kühlluftführung überdacht werden musste. Da die Entwicklungskapazitäten von Mercedes-Benz in jenen Jahren durch den SL der Baureihe 129 und die S-Klasse der Baureihe W 140 weitgehend ausgelastet sind, erhielt Porsche im Dezember 1987 einen Entwicklungsauftrag für die "konstruktive und versuchstechnische Serienentwicklung der Basislimousine W 124 mit dem Achtzylindermotor M 119".

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Die Kotflügel des 500 E sind vorne und hinten leicht weiter nach außen gezogen, um Platz für Bereifung der Größe 225/55 R 16 zu schaffen. Auch die um 23 Millimeter tiefergelegte Karosserie und eine modifizierte Bugschürze mit integrierten Nebelleuchten sind dezente Erkennungsmerkmale. Außerdem wurde die Batterie für eine bessere Gewichtsverteilung in den Kofferraum verfrachtet. Um die Kraft einigermaßen auf die Straße zu übertragen, bekam der Benz auch schon eine Antriebs-Schlupf-Regelung.

Porsche übernahm auch die Fahrzeugmontage des 500 E.  Dabei bekam Porsche die Karosserieteile aus Sindelfingen. Danach wurde die Karosserie bei Porsche zusammengebaut, anschließend im Werk Sindelfingen lackiert und wieder nach Zuffenhausen gebracht. Die Endmontage mit dem komplett von Mercedes-Benz angelieferten Antriebsstrang erfolgte bei Porsche, die Auslieferung an die Kunden und Vertriebspartner übernahm dann das Mercedes-Benz Werk Sindelfingen.

Der Preis war geschmalzen, immerhin verlangte Mercedes für den 500 E die stattliche Summe von 134.510 DM. Ab Juni 1993 wurde das Topmodell der Baureihe zum E 500. 1995 endet die Produktion des W124, wobei von 500 E, E 500 und E 60 AMG (Mercedes rechnet die drei zusammen) 10.479 Exemplare produziert wurden.

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