Elektromobilität wird schnuckelig: Der Renault Twingo ist wieder da
Zusammenfassung
- Der neue Renault Twingo kommt als reines Elektroauto mit kompakten Maßen, vier Sitzplätzen und Retro-Design-Elementen.
- Mit 60-kW-Motor, 27,5-kWh-Akku und rund 260 km Reichweite ist er auf den Stadtverkehr ausgelegt und bleibt unter 20.000 Euro Einstiegspreis.
- Innen gibt es viel Hartplastik, moderne Technik wie Touchscreen und Google-Dienste, sowie praktische Details wie verschiebbare Rücksitzbank.
1992 war's, als Renault die erste Generation des Twingo vorstellte. Ein kleines, herziges Auto, das wie ein kleiner Van wirkte und konsequenterweise überraschend viel Platz bei kompakten Außenabmessungen bot. Der Erfolg stellte sich alsbald ein. Renault verkaufte vom Twingo 4,15 Millionen Stück, 2 Millionen davon sind immer noch auf den Straßen unterwegs.
Dass Renault nun die erste Generation des Twingo hernimmt, um – nach R5 und R4 - das nächste bekannte Renault-Modell neu aufzulegen, liegt irgendwie auf der Hand. “Der erste Twingo war auch der ikonischste", sagt der Designchef von Renault, Laurens van den Acker. Die Einstufung als Retrodesign lässt er aber nur bedingt durchgehen. “Es ist kein Auto, das zurückblickt", so van den Acker.
Und die Zukunft heißt natürlich nunmehr elektrisch. Den neuen Twingo wird es nur als BEV geben. Basta. Dabei ordnet sich der Twingo erfreulicherweise bei den leistbaren Elektro-Kleinwagen ein, von denen es ohnehin noch sehr wenige gibt. Aber zum Preis später mehr.
Was der Twingo von seinem historischen Vorbild übernimmt, ist zum einen das treuherzige G'schau und zum anderen das gute Platzangebot innen bei kompakten Außenabmessungen. 3,79 Meter lang ist der neue Twingo und bietet Platz für vier Personen. Ja, die Fondsitzbank ist nur für zwei ausgelegt. Das Platzangebot ist aber okay, vor allem wenn man sich mit den Vorderleuten arrangiert und man nicht zu viel Kofferraum braucht. Denn der Twingo hat, so wie der allererste Twingo, eine längs verschiebbare Rücksitzbank. Und man steigt neuerdings auch nach hinten bequem ein, denn es gibt nunmehr auch hinten zwei Türen. Die Fenster hinten sind übrigens Ausstellfenster.
Google an Bord
Wie sieht es sonst innen aus? Klar, bei der Materialanmutung merkt man, dass der Kostenfaktor entscheidend war – es wurde viel Hartplastik verbaut. Die bunte Blende vor dem Beifahrersitz sorgt aber für einen Farbklecks und auch die Grafik der Fahrerinstrumente ist freundlich gestaltet. Mittig gibt’s nun einen großen Touchscreen und nach Renault-Manier sind diverse Google-Funktionen an Bord (abhängig von der Ausstattung). Die Audio-Steuerung ist – ebenfalls nach Renault-Manier – in einem Bediensatelliten unterhalb des Lenkrads untergebracht. Rund ums Lenkrad wird es schon ziemlich dicht, denn auch der Wählhebel für die Fahrstufen ist hier und der Twingo verfügt über Wippen, um die Rekuperation feinzujustieren.
Damit zum Kapitel Fahren. Angetrieben wird der Twingo von einem 60-kW-Elektromotor, der 1200 kg zu bewegen hat. Der Twingo I war natürlich deutlich leichter, dafür profitiert der neue Twingo vom sofort einsetzbaren Elektroschub. Untermotorisiert fühlt man sich im Twingo nicht und fürs flinke Herumwuseln in der Stadt (ohne Tritt ins Kreuz) ist der Antrieb gerade recht. Dazu gibt’s einen kompakten Wendekreis von 9,87 Meter. Fahrwerkstechnisch übernimmt der Twingo die Vorderachse des R5, hinten setzt man auf eine Variation der Captur-Lösung. Damit fährt sich der Twingo nicht so dynamisch wie ein R5, für ein Auto mit diesem Einsatzzweck passt es aber. Gleiches gilt für die Lenkung. Nur bei schlechten Straßen poltert der Renault doch merklich.
Dass man die Rekuperation über Wippen einstellen kann, ist fein und gefällt. In der stärksten Stufe geht es in ein One-Pedal-Drive über und die Entwickler sahen sich genötigt, dies immer über einen Pieps-Ton zu dokumentieren. Was, wenn man die Paddels intensiver nutzt, nervt. Das One-Pedal-Drive stelle aber eine drastische Änderung des Fahrverhaltens dar und der Fahrer solle davon in Kenntnis gesetzt werden, erklären die Entwickler.
Wenig Reichweite
Der Strom wird in einem Akku mit 27,5 kWh gespeichert und man verwendet die günstigere LFP-Zellchemie. Das soll für eine Reichweite von knapp über 260 km gut sein. Der Stromverbrauch ist mit 13 kWh/100 km günstig – bei unserer Testfahrt (ohne Autobahnanteil und bei idealen Temperaturen) waren sogar weniger als 12 kWh drinnen. Wie sich der Akku verhält, wenn es wieder Richtung Winter geht, werden dann eingehendere Tests zeigen.
Nachladen geht über AC-Anschluss mit 11 kW oder an einem DC-Anschluss mit 50 kW. So ist die Batterie an einem DC-Lader in 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen.
Dass das lustige Design auch seinen Teil zur Aerodynamik beiträgt, erklärt uns der Chefdesigner. So sind die Kunststoff-Hörner über den Rückleuchten kein Designgag, sondern bringen aerodynamisch Vorteile. Ganze 5 km mehr Reichweite, rechnen die Renault-Leute vor.
Renault bietet den Twingo nur mit einer Antriebskonfiguration und zwei Ausstattungslinien an. Die Einsteigerversion Evolution bleibt mit 19.990 Euro sogar unter der 20.000 Euro Marke. Der Techno kostet 1600 Euro mehr und hat z.B. die Google-Dienste, die verschiebbare Rücksitzbank oder eine umklappbare Beifahrersitzlehne dabei. Marktstart für den neuen Twingo ist im April.
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