Polestar 5: Erste Ausfahrt mit dem eleganten Grand Tourer
Unterwegs in den Pyrenäen
Zusammenfassung
- Polestar 5 überzeugt trotz 2,5 Tonnen Gewicht mit dynamischem Fahrverhalten und hohem Komfort dank adaptiver MagneRide-Dämpfung.
- Innovative Details wie der kamerabasierte Rückspiegel, das große Panoramadach und die 4+1-Sitzkonfiguration prägen das Interieur.
- Mit bis zu 650 kW Leistung, 670 km Reichweite und Preisen ab 118.900 Euro richtet sich der Grand Tourer an das Premiumsegment.
Wenn man Joakim Rydholm fragt, wie er es schafft, einem schweren Elektroauto ein doch dynamisches Fahrverhalten anzutrainieren, gefällt ihm diese Art von Frage ganz offensichtlich und er spricht in der Antwort gern von "Magie". Rydholm ist seit 2017 bei Polestar, arbeitete vorher für Saab und Volvo (ist also auf schwedische Marken abonniert) und ist zuständig für den Bereich Fahrdynamik. Wenn also Rydholm, der in seiner Freizeit gerne Rallyes schaut oder selber fährt, das Thema erklärt, so geht es um Feinabstimmung von Dämpfern, Federn, Lenkung und der zugehörigen Elektronik.
Im Fall des Polestar 5 haben Rydholm und sein Team jedenfalls einen tollen Job gemacht. Der schöne Grand Tourer, wie ihn die Schweden bezeichnen, bringt immerhin 2,5 Tonnen auf die Waage und es dauert eine Weile, bis sich die Physik, die auch Herr Rydholm nicht aushebeln kann, meldet und die Grenzen des Machbaren aufzeigt.
Joakim Rydholm
Wir fahren den Polestar 5 von Südfrankreich hinauf Richtung Andorra. Und das heißt, dass es doch um die eine oder andere Kurve geht. Das beherrscht der Polestar also, gleichzeitig schätzt man aber auch die Reisequalitäten und den Komfort. Als Elektroauto fährt der Polestar vor allem leise und Herr Rydholm hat - aller Dynamik-Magie zum Trotz - noch genügend Komfort für das Fahrwerk übriggelassen. Das hat freilich auch damit zu tun, dass wir in der Performance-Variante sitzen. Und die ist mit einer clever gesteuerten adaptiven BWI MagneRide-Dämpfung ausgestattet.
Zwischenstopp in Südfrankreich
Performance heißt 650 kW Leistung, die von zwei Elektromotoren bereitgestellt wird – dabei kommen 450 kW vom Heckmotor. Die Beschleunigung ist natürlich entsprechend – gerade einmal 3,2 Sekunden braucht das Auto, um auf 100 km/h zu beschleunigen. Alternativ dazu gibt es auch die Dual Motor Variante mit 550 kW. Der Strom wird bei beiden Versionen in einem 112-kWh-Akku gespeichert. Das reicht für eine Reichweite von 565 Kilometer im Performance (im Dual Motor sind es 670 Kilometer). Anders gesagt: Für unsere Fahrt von Narbonne nach Andorra müssen wir uns um das Thema Laden keine Gedanken machen. Falls man mit dem Polestar 5 doch eine Ladesäule ansteuern muss, geht es dank der 800-Volt-Architektur flott. An einem DC-Lader kann der Grand Tourer mit bis zu 350 kW nachladen.
Allee mit Schloss, Polestar 5 ohne Heckscheibe
Woran man sich im Polestar 5 gewöhnen muss, ist zunächst die fehlende Heckscheibe. Diesbezüglich ähnelt der GT dem Polestar 4. Das heißt, der Innenrückspiegel liefert ein Kamerabild von dem, was hinter einem passiert und das ist nicht jedermanns Sache. „Wenn man sich manche Mitbewerber ansieht und bei der Heckscheibe rausguckt, hat man eh nur noch einen Sehschlitz. Wir gehen ganz neue Wege, lassen die Heckscheibe weg, das spart Gewicht, so können wir das Auto noch flacher machen und haben dennoch ausreichend Kopffreiheit hinten“, hatte der Designchef von Polestar, Philipp Römers, anlässlich der Vorstellung des Autos auf der IAA im Gespräch mit dem KURIER erklärt.
Variable Sitzanlage im Fond
Für die hinteren Sitze ist man auf eine 4+1-Lösung gekommen. Das heißt, man hat zwei sehr bequeme Einzelsitze im Fond und wenn eine dritte Person mitreisen soll, wird die Mittelkonsole hochgeklappt. Die Sitzanlage im Polestar ist sehr fein – zu bevorzugen ist dennoch der Platz links vorne.
Und wenn man schon von Seiten eines Heckfensters kein Licht bekommt, so hat man ein großes Panoramaglasdach eingebaut. Leider lässt sich das nicht dimmen, eine Abdeckung ist aber als Zubehör zu bekommen, erklärt uns der zuständige Produktmanager. Man fühlt sich sehr wohl im Polestar, die Gestaltung des Interieurs wirkt sachlich und reduziert und die Materialien greifen sich gut an.
Cockpit: Viel wird über den Touchscreen gesteuert
Die Reduktion von Schaltern und Knöpfen bringt es natürlich mit sich, dass viel über den Touchscreen geregelt und eingestellt werden muss – eben so, wie man es von anderen Autos der Marke schon kennt. Erfreulicherweise ist man nicht der Versuchung erlegen, nicht auch noch die Richtung der Lüftung in den Touchscreen zu verräumen, so wie es andere machen (man hat ganz klassische Hebelchen) und der Audio-Lautstärkenregler ist als sehr edel gehaltener Drehregler zwischen den Sitzen ausgeführt. Danke dafür.
Polestar sieht sich als schwedische Marke mit Sitz in Göteborg, gehört aber zum chinesischen Geely-Konzern und gebaut wird der Polestar 5 auch in China. Der schöne Grand Tourer ist natürlich kein Sonderangebot. 118.900 Euro kostet er als Dual Motor, 140.900 Euro der Performance. Für Exklusivität sollte somit gesorgt sein.
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