Meinung 30.04.2018

Zu schnelle Urteile

Ein Hinterhalt und ein Massaker vor den Augen von Blauhelmen – die hätten doch ... – die hätten was?

Ein Hinterhalt und ein Massaker vor den Augen von Blauhelmen – die hätten doch ... – was? Das Video ist in der Tat beklemmend: „Normal musst das de Hund sagen“, sagt eine Stimme aus dem Off, kurz bevor neun syrische Geheimdienstler mit ihrem Pick-up in einen Schmuggler-Hinterhalt geraten und von Gewehrsalven durchsiebt werden. Die Beobachter: Österreichische UN-Soldaten, die von dem Hinterhalt wussten, die die Syrer aber nicht warnten, als sie am Checkpoint der Blauhelme vorbei mussten.

Seit das Video in einem braunen Kuvert bei der Stadtzeitung Falter abgegeben wurde, wird landauf, landab gefragt: „Hätten die Österreicher diesen neunfachen Mord, dieses Massaker am Golan verhindern müssen?“ Unausgesprochener, von einzelnen Völkerrechtlern da und Experten der Moral dort unterschriebener Subtext: Ja, sie hätten.

Und wenn die per Mandat zur Nichteinmischung verpflichteten Blauhelme die Syrer gewarnt hätten, und wenn dann die nicht für ihre Sanftmut bekannten Geheimdienstler die 13 Schmuggler getötet hätten – wäre das das „bessere“ Massaker gewesen? Hätten sich die schutzwestenlosen Soldaten da wie dort dazwischen werfen müssen? Vom Vorwurf der Parteinahme nicht zu reden?

Am Schreibtisch mögen Whistleblower ihre Pakete abliefern. Aber Urteile sind bitte woanders zu fällen.andreas.schwarz

( kurier.at , a.s. ) Erstellt am 30.04.2018