Meinung
25.12.2017

Wunderbarer Tausch

Weihnachten spaltet. In die, die das Fest lieben und in die, die davor fliehen, so gut es eben geht.

Warum feiern wir jedes Jahr Weihnachten? Ist es nicht immer dasselbe: Stress im Advent, vielleicht ein wenig Zauber an den Feiertagen und dann ist das mit vielen Hoffnungen und Erwartungen fast überfrachtete Fest auch schon wieder vorbei.

Doch eigentlich gerät die Welt aus den Fugen! Der an sich unüberbrückbare Abgrund zwischen Gott und Mensch wird überwunden: Gott wird Mensch. In den weihnachtlichen Gottesdiensten beten wir: "Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen, dein göttliches Wort wurde Mensch, und wir sterbliche Menschen empfangen in Christus dein göttliches Leben." Ganz unprosaisch wird dies lateinisch "sacrum commercium" bezeichnet.

Hin und her getauscht werden an Weihnachten aber auch unzählige Geschenke.

Alles in Bewegung

Ich gestehe demütig, dass ich da doch recht altmodisch bin: "Wenn man dir gibt, dann nimm." Als Dompfarrer bekomme ich viel geschenkt. Ich schaffe es gar nicht, mich bei allen persönlich zu bedanken. Menschen, die mit größter Hingabe das Jahr über schon überlegen, was der andere brauchen könnte und was ihn besonders freuen würde, bewundere ich. Leider bin ich diesbezüglich nicht so kreativ. Meistens versuche ich, mich in den letzten Tagen vor Weihnachten vom Genius streifen zu lassen, damit er mir hoffentlich eingibt, womit ich andere glücklich machen kann.

Sind an Heiligabend in der Familie die Geschenke verteilt, kann es mitunter zu einem wundersamen Tauschhandel führen – nämlich dann, wenn der Blick zu einem Geschenk eines anderen Familienmitgliedes intensiver ist als die Freude über das erhaltene. Wir können uns beim Tauschen an den wunderbaren Tausch dranhängen. Zu Weihnachten werden die Neuschaffung des Menschen und seine ehrenvolle ewige Ehre besungen. Durch die Menschwerdung Gottes erhalten wir Menschen alles. Er schenkt sich vollkommen hin, damit wir aus unserer Durchschnittlichkeit und Mittelmäßigkeit, ja auch aus unserer Sterblichkeit wirklich herausgezogen werden und Anteil erhalten am echten Leben, das uns nicht mehr genommen werden kann. Selbst der Tod kann es uns nicht entreißen.

Wenn Gott einem commercium zustimmt, haben wir dabei nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen. Erst in unser Danksagung Gott gegenüber, in der Eucharistie, in der liebenden, lobenden Hingabe an Gott werden wir Teilnehmer und Empfänger dieses Tauschgeschäftes. Diesem Sonderangebot kann ich guten Gewissens zustimmen.

Gesegnete Weihnachten!

Der Autor ist Dompfarrer zu St. Stephan. dompfarrer@stephansdom.at