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Gastkommentar
01/14/2021

Wir haben die Corona-Hilfen bereits bezahlt

Niedrige Zinsen entlasten den Staatshaushalt zwar, kosten aber die Anleger Milliarden. Die Bilanz ist erst in drei Jahren zu ziehen

Zuletzt konnten wir in Kommentaren zu den Corona-Hilfspaketen lesen: „Wer soll das bezahlen?“, in Anlehnung an das alte Kölner Karnevalslied.

Tenor: Der Staat hilft uns jetzt mit x Milliarden Euro, und das müssen wir Steuerzahler dem Staat wieder zurückzahlen. Aus dem politisch linken Spektrum werden vermehrt Vermögensabgaben gefordert.

Ein Aspekt wird dabei oft übersehen: Der Staat schuldet uns mehr als wir ihm! Knallharte Zahlen untermauern dies.

Schon 2019 errechnete die Österreichische Bundesfinanzierung: die Republik wird sich durch das viel niedrigere Zinsniveau seit der Finanzkrise 2008 gegenüber früher insgesamt 69 Milliarden Euro ersparen. Jedes Jahr kommen da noch einige Milliarden an Ersparnis hinzu!

Negative Renditen

Kein Wunder, ist doch die effektive Verzinsung der Staatsschulden seither von 4,04 % auf mittlerweile 1,47 % (2020) gefallen. Auch letzterer Wert wird in den kommenden zehn Jahren noch deutlich sinken. Klar, wenn neu begebene Anleihen negative Renditen aufweisen, die Republik Österreich fürs Schuldenmachen vom Kapitalmarkt also noch bezahlt wird. Auslaufende alte, höher verzinste Anleihen werden so ersetzt.

Diese Entwicklung ist für die Steuerzahler sehr erfreulich, hat aber eine entscheidende Kehrseite: Weniger Zinsaufwand für den Staat bedeutet auch weniger Zinsertrag für die Anleger – für Anleihebesitzer direkt, aber auch Inhaber von Lebensversicherungen, Berechtigte aus Pensionskassen und Zukunftsvorsorge. Dazu kommen noch viele weitere Milliarden, die Sparbuchsparern entgangen sind und in den kommenden Jahren noch entgehen werden.

Versteckte Abgaben

All diese Personen zahlen im Vergleich zum früheren Zinsertrag bereits versteckte Vermögensabgaben. Jetzt treten natürlich Warner auf den Plan: Was ist aber, wenn die Zinsen wieder steigen? Da wage ich die Prognose: Bei einer globalen Verschuldung von 277.000.000.000.000 Dollar, also 277 Billionen, können sich an der Wiederwahl interessierte Politiker weltweit keinen bedeutenden Zinsanstieg leisten. Deshalb werden die Zinsen im kommenden Jahrzehnt allenfalls leicht steigen, aber bei österreichischen Staatsanleihen nicht einmal annähernd die 4 % Rendite vor der Finanzkrise 2008 erreichen.

Eigenkapitalschwäche

Leicht höhere Inflation mindert zudem die reale Zinsbelastung des Bundes. Statt mit neuen Steuerideen die Anleger zu verschrecken, sollten sich Politiker lieber Gedanken über die Eigenkapitalschwäche der Wirtschaft machen. Eine Spekulationsfrist von einem Jahr, wie noch vor einem Jahrzehnt, würde zusätzliche Anleger motivieren.

Vorschlag: Schluss mit neuen Belastungsideen, ziehen wir in drei Jahren Bilanz. Wie viel hat uns Corona wirklich gekostet? Wie viel kommt

im nachfolgenden Wirtschaftsaufschwung an Steuern wieder rein? Wie viel hat und wird sich die Republik durch die niedrigen Zinsen insgesamt auf Kosten der Anleger ersparen?

Politiker und Wähler – schau’n Sie sich das an!

Erich Pitak ist Sachverständiger für Bank- und Börsenwesen, Autor von „DAX 19.000“, FinanzBuch Verlag. Er ist Mitglied des KURIER-Leserbeirats.

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