© Kurier/Gerhard Deutsch

Leitartikel
11/08/2020

Wieder eine Woche der Entscheidung

Wenn wir nicht in allen Bereichen in die Gänge kommen, wird uns diese Naturkatastrophe noch länger als nötig zu schaffen machen.

von Bernhard Gaul

Das Coronavirus wütet weiter und leider schon jetzt in einem Ausmaß und zu einem Zeitpunkt, den sich Politiker und Experten erst sehr viel später erhofft hatten. Nicht lange her, da waren 900 Neuinfektionen am Tag noch schockierend. Inzwischen sind wir bei über 8.000 neuinfizierten Menschen täglich, und die Zahlen dürften noch weiter ansteigen.

Es mag unklar sein, ob wir die richtige Teststrategie anwenden und die Infektionszahlen deshalb so hoch sind, Tatsache bleibt, dass die Intensivbetten-Stationen demnächst an der Belastungsgrenze sein werden. Das Krankenhauspersonal, die Pflegekräfte und die Ärztinnen und Ärzte, sind schon dort und darüber.

Die Politik hat nicht mehr sehr viele Instrumente in ihrem Anti-Covid-Koffer. Schulschließungen und ein Lockdown für den Handel sind als nächster Schritt naheliegend, auch wenn das niemand haben will.

Für die Schüler würde ein neuerlicher Lockdown einen weiteren nachhaltigen Schaden bedeuten, zeigen aktuelle Forschungsergebnisse aus den Niederlanden. Vor allem für die Schüler selbst, in weiterer Folge für die Volkswirtschaft.

Leider sind wir bei der digitalen Schule bei Weitem nicht so gut aufgestellt wie die Niederlande. Die Agenda Austria schätzt für Österreich einen nachhaltigen Bildungsverlust. Weil nicht nur viel weniger Wissen beim Distance Learning vermittelt werden kann, sondern die Kinder daheim und mit spärlicher Kontrolle das Erlernte auch wieder schneller vergessen.

Und dann der Handel. Gibt es auch hier einen Lockdown, können die Geschäfte nur mehr auf eine großzügige Entschädigung durch den Staat hoffen. Das Handels-Minus 2020 wird aber auch ohne Lockdown verheerend sein. Da die Gastronomie schon schließen musste, gibt es offenbar noch einmal weniger Anreiz auf einen Shoppingbummel, was nicht verwundert, wenn die Menschen Angst haben.

Profitieren wird einmal mehr Herr Bezos in New York mit seiner Firma Amazon, die einen Börsenwert von eintausendsechshundert Milliarden Dollar hat. Österreichs Antwort, der Versuch eines digitalen „Kaufhaus Österreich“, so heißt das Projekt der Wirtschaftsministerin für eine Stärkung des heimischen Onlinehandels, wird sicher nicht in der kommenden Woche präsentiert werden können. Wahrscheinlich geht das erst online, wenn die Pandemie vorbei ist. Ähnlich schwach ist ja die Performance zur Homeoffice-Novellierung, eine Neuregelung soll erst im Frühjahr 2021 präsentiert werden. Jetzt wäre sie aber dringend nötig.

Österreich muss nicht in die Gänge kommen, sondern sofort auf Hochtouren, wenn wir nicht jahrzehntelang unter den Corona-Auswirkungen leiden wollen. Der Winter hat ja noch gar nicht begonnen.

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