hodoschek.jpg

© Kurier

Meinung
08/27/2021

Wieder eine vertane Chance bei der Staatsholding

Warum die Wahl von Edith Hlawati trotz ihrer Kompetenz eine krasse Fehlentscheidung des Aufsichtsrates war.

von Andrea Hodoschek

Edith Hlawati ist eine hervorragende Wirtschaftsanwältin, ihr soll keinesfalls ihre fachliche Qualifikation abgesprochen werden. Wahrscheinlich gibt es sogar niemanden, der die ÖBAG besser kennt als sie. Trotzdem war ihre Wahl zur neuen Alleinvorständin eine krasse Fehlentscheidung des Aufsichtsrates.

Hier geht es um die Zukunft der größten österreichischen Industrieholding, um die Beteiligungen des Staates an einigen der wertvollsten Unternehmen dieses Landes, um zigtausende Arbeitsplätze und um kritische Infrastruktur.

Das ist schon Herausforderung genug. Dazu kommen ausländische Mit- bzw. Mehrheitseigentümer bei OMV, Telekom und Casinos, die ihre Interessen beinhart vertreten und immer wieder Begehrlichkeiten haben.

Alphatiere

Dafür braucht es einen g’standenen Top-Manager mit viel Industrie-Erfahrung. Der es gewohnt ist, zu entscheiden. Der mit den Alphatieren in den Beteiligungsunternehmen und bei den Syndikatspartnern auf Augenhöhe verhandelt. Ein Anwalt dagegen ist ein Dienstleister und ein Berater eines Unternehmens. Da sind Welten dazwischen.

Wolfgang Hesoun wäre so ein Manager. Seit fast elf Jahren Chef von Siemens-Österreich, verantwortlich für 8.800 Mitarbeiter und im Konzern zuständig für 21 Länder. Zuvor erfolgreicher Chef von Österreichs zweitgrößtem Baukonzern Porr.

Macht-Vakuum

Der Aufsichtsrats-Vorsitzende der ÖBAG, Helmut Kern, hat geschickt ein Macht-Vakuum genutzt. Über die Gründe wird viel spekuliert. Kern zeigte in letzter Zeit jedenfalls auffälliges Interesse am Operativen. Das hätte mit Hesoun nicht funktioniert.

Die ideale Kombination wäre vielleicht überhaupt mit Hlawati als Aufsichtsratschefin und Hesoun als Vorstand gewesen.

Übrigens lief hier kein parteipolitisches Spiel ab, auch wenn Kern und Hlawati der ÖVP zugerechnet werden und Hesoun der SPÖ. Kurz und Blümel haben sich herausgehalten und dem Aufsichtsrat völlig freie Fahrt gelassen.

Verständliche Zurückhaltung

Doch es geht um Milliardenvermögen der Republik und die zuständigen Politiker sind die Eigentümervertreter. Sie sind verantwortlich, genauso wie der Eigentümer eines privaten Unternehmens. Die Besetzung muss selbstverständlich absolut korrekt und transparent sein, nicht wie bei Ausschreibung und Bestellung des gegangenen ÖBAG-Chefs Thomas Schmid, der sich die Aufsichtsräte selbst aussuchen konnte.

Irgendwie ist die Zurückhaltung in Bundeskanzleramt und Finanzministerium aber verständlich. Wer von der Justiz als Beschuldigter geführt wird, will sich gerade bei einer derart wichtigen Postenbesetzung nicht dem Risiko neuerlicher Ermittlungen und öffentlicher Anfeindungen aussetzen. Oder dem nächsten Untersuchungsausschuss.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.