Leitartikel
11/21/2021

Wie Verwirrung Schule macht

Es gibt nicht die eine Patentlösung Schule offen oder Schule zu. Aber dass wir nach 18 Monaten Pandemie vor so einem Dilemma stehen, ist nicht zu entschuldigen.

von Bernhard Gaul

Die Schulen haben heute weiter geöffnet, es gibt aber keine Anwesenheitspflicht. Wer daheim bleibt, hat kein Recht auf Distance Learning per Video-Konferenz. Teils aus schlechter Erfahrung der Schüler damit, teils wegen der schlechten Erfahrung mit manchen Pädagogen. Vor allem aber, weil beides – Kinder in der Klasse und gleichzeitig Kinder daheim zu unterrichten – nicht machbar ist.

Übrig bleiben Lehrer, Schüler und Eltern in allen emotionalen Zuständen: von achselzuckender Gleichgültigkeit bis rasender Wut über den „Nicht-Minister“ Heinz Faßmann, der keine klare Entscheidung getroffen habe.

Dabei steht der Bildungsminister vor einem unlösbaren Dilemma: Beharrt er auf der Schulpflicht, werden die Proteste laut und groß sein: Wie kann er nur die Gesundheit der Kinder gefährden? Beharrt er auf Schulschließungen und Distance Learning, werden die Proteste laut und groß sein: Ein noch unbekannter Teil der Eltern wird die Kinder dennoch „zur Betreuung“ in die Schule schicken, und die Lehrerinnen und Lehrer müssen dann die Quadratur des Kreises gleichzeitig online und im Klassenzimmer unterrichten.

Da im vergangenen Lockdown in den Städten bis zu 80 Prozent der Kinder in die Schulen geschickt wurden, musste sich seine Entscheidung nach diesen Fakten richten. Sehr gut ist, dass selbst im hintersten Tal und am flachsten Land die Schüler drei Mal pro Woche, einmal davon mit PCR, getestet werden, das soll auf fünf Mal pro Woche mit zwei PCR ausgebaut werden. Dass dennoch eine Maskenpflicht auch im Unterricht gilt, für die Größeren und Lehrer sogar mit FFP2-Masken, ist grausam bis undurchführbar.

Begonnen hat das Chaos natürlich früher, mit vielen Politikern, die zu wenig zu spät entschieden haben. Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer hatte zuerst angekündigt, die Schulen blieben nur für „Lernschwache“ und zur Betreuung offen. Dem hat Faßmann rasch widersprochen und präzisiert, der Stundenplan bleibe aufrecht, was nicht wenige Lehrer stark bezweifeln.

Dass das alles am Freitag kommuniziert wurde, Faßmann sich erst um 17 Uhr erklärte, war auch nicht hilfreich. Kern seiner Aussage: Er werde weder vorschreiben noch empfehlen, wie sich Eltern entscheiden sollen, ob sie ihr Kind in die Schule schicken oder nicht.

Das war für viele Eltern der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Denn so sehr wir uns Eigenverantwortung wünschen, da – bitteschön – nicht? Es gibt aber nicht die eine Patentlösung für alle 5.600 Schulen. Die Situation im impffreudigen Burgenland ist anders als in Schärding.

Unterm Strich bleiben Frust, Verwirrung und Unverständnis, warum wir nach 18 Monaten Pandemie vor so ein Dilemma gestellt werden. Da reicht auch keine Entschuldigung.

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