Meinung
04/13/2020

Wie im falschen Urlaubsfilm

Die Balearen oder Bibione schminken sich viele heuer ab. Trotz Urlaub im Heimatland wird die Bilanz nicht zu retten sein

von Simone Hoepke

Insgeheim hatten es sich ja alle immer so gewünscht: Ostern. Kein Stau auf der Autobahn und am Urlaubsort kein einziger Tourist (außer man selbst, aber das zählt ja nicht).

Heuer war das Realität – und kein gutes Omen für Hoteliers.

Mit den Osterfeiertagen startet traditionell die Sommersaison. Menschen pilgern an sonnige Plätze. Holen sich an der Amalfiküste oder an der Oberen Adria den ersten Sonnenbrand oder nutzen den Osterurlaub als vorläufig letzte Chance zum Skifahren.

Etwa in Ischgl, dem sonst gefeierten Party-Mekka, das jetzt als „Virenschleuder Europas“ Schlagzeilen macht. Ausgerechnet in Deutschland. Es klingt wie eine Episode aus Felix Mitterers Piefke-Saga: Während die Aprés-Ski-Party („Hölle! Hölle! Hölle!“) weiter in vollem Gang ist, wissen Lokalkaiser längst, dass das Virus sich ausbreitet, drücken aber nicht die Stopptaste. Seher der Satire-Serie hätten bei diesen Szenen wohl weggezappt. Zu überzogen.

Unrealistisch wirkt auch der Papst, zu Ostern quasi allein im Petersdom. Oder Vermieter, die plötzlich an ihre Gäste appellieren: „Bleibt daheim!“ Was so viel heißt, wie: Bringt bloß nicht das Virus zu uns und ruiniert damit alles.

Auf Mallorca zählte der Flughafen Palma heuer am Ostersamstag gerade mal zehn Flugbewegungen, das sind um 725 (!) weniger als am Vergleichstag 2019. Die Party ist abgesagt. Auf der Ferieninsel Sardinien hängen Hoteliers schwarze Trauerflore aus den Fenstern. Als Zeichen dafür, dass sie fürchten, die Saison begraben zu können.

Auch bei Österreichs Touristikern liegen die Nerven blank. Je nachdem, welchen Tourismusforscher man fragt, kann sich die Branche heuer auf 30 bis 50 Prozent weniger Gästenächtigungen einstellen. Gestrichene Flugverbindungen, Reisewarnungen und Reisebeschränkungen: Dass weniger Urlauber aus dem Ausland in heimischen Betrieben einchecken werden, ist so gut wie sicher. Jetzt sollen die Inländer das Geschäft ankurbeln. Zumindest wünschen sich das Politiker, die ohnehin schon Milliarden in die Branche pumpen müssen.

Der Wunsch dürfte erhört werden. Viele schminken sich ihren Urlaub auf den Balearen oder in Bibione ohnehin gerade ab. Doch die Tourismus-Bilanz werden sie nicht retten können.

Ein Größenvergleich: Den 37 Millionen Nächten, die Österreicher normal im Ausland verbringen, stehen mehr als 110 Millionen Nächtigungen ausländischer Gäste in Österreich gegenüber. Und normal ist derzeit gar nichts. Die Arbeitslosigkeit steigt, damit die Unsicherheit. Das Geldbörsel sitzt nicht mehr so locker. Schon gar nicht beim Urlaub.

Und den leisten sich schon in guten Zeiten nur 60 Prozent der Österreicher.

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