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über verkürzte Diskussionen
05/17/2016

Wider den Alarmismus

GASTKOMMENTAR

von Klaus Atzwanger

Hilft uns Alarmismus weiter?

Univ. Lekt. Mag. Dr. Klaus Atzwanger | über verkürzte Diskussionen

In Ottakring wurde eine Frau brutal ermordet. An der Wiener U-Bahnlinie U6 steigen die Drogenprobleme. Die Einreisewelle der Kriegsflüchtlinge aus Syrien hält an. Weltweit finden enorme Migrationsströme statt. Die Zahl der Arbeitslosen steigt. In Österreich gewinnt eine rechtspopulistische Partei Wahlen. Hängt das zusammen?

Irgendwie schon, aber irgendwie auch wieder nicht. Und das ist Teil unseres Problems, wir sind mit einer Fülle an Herausforderungen konfrontiert, aber sachliche Lösungen fehlen. Aber warum ist es so schwer, die Probleme einzeln anzusprechen und strukturiert zu diskutieren, um Lösungen auf der passenden Ebene zu finden? Die Politisierung der Medien und die hohe Geschwindigkeit der Nachrichtenverbreitung haben dazu geführt, dass die reißerischste Nachricht die beste geworden ist. Um möglichst wichtig wirkende Botschaften zu erzeugen, wird alles vermischt, und eine permanente Krise ausgerufen. Doch hilft uns Alarmismus weiter?

Wenn in Ottakring ein Psychopath, der amtsbekannt ist, eine Frau erschlägt, ist das ein furchtbares Verbrechen, welches durch ein Funktionieren der Zusammenarbeit der verantwortlichen Polizei, Justiz, Fremdenbehörde und Streetworker vielleicht zu verhindern gewesen wäre.

Wenn an der Wiener U6 Drogenprobleme steigen, ist das auf ein falsches Gesetz zurückzuführen, welches gerade repariert wird.

Die Einreisewelle der Kriegsflüchtlinge wird erst enden, wenn es gelingt, den Konflikt in Syrien zu beruhigen. Die weltweiten Migrationsströme werden erst versiegen, wenn wir weltweit Konzepte zum Umgang mit Verteilungsgerechtigkeit gefunden haben.

Strukturierte Analyse

Und auch die Probleme österreichischer Arbeitsloser und der Anstieg des Erfolges rechtspopulistischer Strömungen hängen nicht so unmittelbar zusammen, wie gerne suggeriert wird.Natürlich ist es ein Leichtes, alles in einen Topf zu werfen, und die Regierung, die Fremden, oder die "gutmenschelnden Bobos" dafür verantwortlich zu machen. Es ergibt eine Schlagzeile, aber Lösungen sind das nicht.

Was wir brauchen, sind strukturierte Analysen der Einzelprobleme auf der jeweiligen Ebene. Die Flüchtlingsbewegung, die auf Europa einströmt, kann nur auf EU-Ebene gelöst werden, und zwar mit aller Konsequenz den Mitgliedsstaaten gegenüber. Denn wer die Vorteile der Gemeinschaft nützt, muss auch die Lasten mittragen.

Die Sozialprobleme in manchen Gegenden können nur durch hoch professionelle Zusammenarbeit angegangen werden – auch wenn es jetzt gerade am Brunnenmarkt furchtbar gescheitert ist.

Und Arbeitsmarktprobleme benötigen u. a. eine Bildungsoffensive.

Solange wir aber unser Hauptaugenmerk darauf richten, und es medial auch darauf gerichtet bekommen, die unterschiedlichsten Phänomene einer globalisierten Gesellschaft in Verkürzungen und losen Zusammenhängen unterschiedlichster Problemebenen zu diskutieren, werden wir weiter mit zu einfachen Antworten agieren.

Univ. Lekt. Mag. Dr. Klaus Atzwanger ist Verhaltenswissenschaftler und Unternehmensberater.

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