Meinung
05.12.2011

Wenn sich zwei streiten...

...freuen sich die anderen. Schleck und Contador spielen Trackstand, derweil gewinnt der Ausreisser die Etappe und 2 Konkurrenten Zeit.

Wie zwei Frischverliebte, sie haben nur Augen füreinander, und wenn sie beisammen sind, bleibt die Zeit stehen und sie vergessen die Welt rundherum. Sie können auch nicht aufhören, voneinander zu reden in ihren Interviews und gar kein anderer spielt auch nur irgendeine Rolle. Wenn das nur gutgeht! Denn während Andy und Alberto mal kurz auf einem Steilstück mit 10 % stehenblieben, reichte es Menchov and Sanchez wohl mit den Spielchen und sie hätten fast einen Coup gelandet.

Taktikshow

Zuvor hat Astana erneut demonstriert, wer in dieser Tour die überlegene Mannschaft ist, eine neunköpfige Ausreissergruppe an der kurzen Leine gehalten und dann noch zuerst am Pailheres und am Schlussanstieg ordentlich Tempo gemacht, dass die Leut nur so hinten rausgeflogen sind. So richtig Kapital schlagen konnten sie dann aber nicht: Während Andy (meine angekaute Tischkante zeugt davon) am Col de Pailheres verdächtig weit hinten unterwegs war und sogar einmal einen Ausflug zum Teamauto machte, konnte er dann doch jede Alberto-Attacke fast schon lässig kontern. Nach der entsetzlichen Taktikshow auf den letzten Kilometern wollte man fast schon "Endlich!" rufen, als Menchov mit Sanchez im Schlepptau abhaute. Dass die beiden dann doch noch zur Vernunft kamen ist wohl dem Funk zu verdanken, ich hätt schon ganz gern gehört, was die D.S.en ihnen da ins Ohr gebrüllt haben. Und schwupps, wurden aus den 30, 40 Sekunden Vorsprung im Ziel bloß 14, die Menchov und Sanchez gut gemacht haben. Andy hat ja nachher gemeint, das wär eh genauso geplant gewesen: Heute Alberto neutralisieren und demoralisieren, und morgen gibt's dann Feuerwerk und die anderen sind sowieso wurscht. Hm.

Funkstille

Die letzten paar Tage waren, obwohl ungebloggt geblieben, ja auch nicht ohne. Saxobank hat am Freitag etwas müde ausgesehen, als die große Gruppe mit Vino, Klöden und Hesjedal gegangen ist. Und Andy eiskalt stehengelassen wurde beim Schlussanstieg nach Mende, wo sich Alberto die 10 Sekunden von Avoriaz zurückholte. Contadors Attacke dort hat Vinokourov den Sieg gekostet - aber den holte er sich am Samstag auf dem letzten Schupfer vor dem Ziel in seiner typischen Manier - explosiv angreifen und dann viechern bis die Milchsäure spritzt, sehr beeindruckend. Man kann durchaus geteilter Meinung sein über den Kasachen, Dopingsperre, alte Schule, etc., aber er macht's immer wieder spannend. Dann noch der Kampf ums Grüne Trikot: Hushovd verliert es, holt es sich in der Ausreissergruppe wieder, verliert es nach einem echt schlechten Sprint erneut an Petacchi (um 2 Punkte!), und Cavendish arbeitet sich immer näher heran. Der der schnellste ist und bleibt, auch ohne Renshaw, der zuerst Julian Dean aus dem Weg köpfelt und dann noch Tyler Farrar abdrängt und dafür von der Jury heimgeschickt wurde. Aber jetzt ist einmal Funkstille für die Sprinter bis Freitag. Thor könnte zwar wieder eine Kamikaze-Attacke reiten und sich ein paar Punkterl holen, aber Lampre wird da wohl die Hand draufhalten.

Spannende Tage

Spannende Tage werden das noch werden... Ich bin wirklich schon gespannt, ob sich Alberto morgen am Port de Balés wirklich abhängen lässt. So recht glauben mag ich es nicht.