© APA/AFP/JALAA MAREY

Leitartikel
12/29/2021

Wenn nur noch Geld locken kann

Es gibt sehr viele gute Argumente, sich gegen Corona impfen zu lassen. Ein Gutschein im Wert von 500 Euro zählt nicht dazu.

von Martin Gebhart

Impfen, impfen, impfen. Seit Monaten wird uns von den politisch Verantwortlichen eingetrichtert, dass der Weg aus der Pandemie in die Freiheit nur über (derzeit) drei Stiche führt. Es sprechen ja auch sehr viele Argumente dafür. Am meisten jene der Wissenschaft, die darin einen effektiven Schutz sieht. Wenn auch eine Ansteckung und die Weitergabe des Virus trotz Impfung möglich sind, so kommt es in den allermeisten Fällen zu einem milderen Verlauf. Und je höher die Impfquote in einem Land ist, desto ungezwungener kann sich die Gesellschaft dort bewegen.

Dass dieses gute Argument allein nicht gereicht hat, um die Impfbereitschaft rasch anzukurbeln, haben uns noch vor wenigen Wochen die nur langsam steigenden Quoten deutlich vor Augen geführt. Erst der enorme Druck über einen Lockdown für Ungeimpfte, der Unentschlossene und Verweigerer von vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ausschließt, hat dazu geführt, dass Österreich mittlerweile die 70-Prozent-Marke bei den Impfungen überschritten hat.

Aber dieses so mühsame Ringen um eine hohe Durchimpfungsrate dürfte mit Februar kein Thema mehr sein, wenn die türkis-grüne Koalition die angekündigte Impfpflicht umsetzen wird. Mit Unterstützung von SPÖ und Neos, wie von deren Parteichefinnen Pamela Rendi-Wagner und Beate Meinl-Reisinger angekündigt worden ist. Also alles auf Schiene – oder doch nicht? Hat da jemand kalte Füße bekommen, weil der Februar immer näher rückt? Anders kann es kaum gedeutet werden, dass plötzlich sogar von der Regierungsspitze ein 500-Euro-Gutschein für Impfwillige in Betracht gezogen wird.

Als Pamela Rendi-Wagner Anfang Dezember diesen Vorschlag machte, wurde das als übliche Forderung einer Oppositionspartei abgetan. Dass nun aber ÖVP-Kanzler Karl Nehammer und sein grüner Vize Werner Kogler auch auf dieses Thema aufspringen, verdient nur ein Kopfschütteln als Reaktion. Strikte Impfgegner wird man auch damit nicht gewinnen, bereits Geimpfte – und das ist die klare Mehrheit – fühlen sich höchstwahrscheinlich sogar ein wenig gefrotzelt. Auch wenn so ein Gutschein natürlich allen Geimpften zugutekommen müsste.

Bei all den Corona-Geldern, die ausgeschüttet werden, sind die Milliarden, die so ein Impf-Gutschein voraussichtlich kosten würde, für den Finanzminister wohl verschmerzbar. Ob es letztendlich auch für die Gesellschaft verschmerzbar ist, wenn wichtige gemeinsame Ziele nur noch dann umgesetzt werden können, wenn mit Geld gelockt wird, ist für die Zukunft die entscheidendere Frage. Und die Hoffnung der Politik, durch diesen Schritt die Auseinandersetzungen rund um die Impfpflicht ersticken zu können, ist mehr als trügerisch.

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