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Leitartikel
07/15/2021

Wenn Corona doch so wird wie die Grippe

Längst ist klar, dass steigende Infektionen kein Grund für eine Panik sind. Aber kaum steigen die Zahlen, werden wir wieder nervös

von Richard Grasl

Die Überraschung über die steigenden Infektionszahlen überrascht doch ein wenig. Seit Wochen mahnen Experten, dass es nach den Lockerungen und durch die Delta-Mutation wieder mehr positive Fälle geben wird. Dass sich die Zahlen seit der letzten Öffnung am 1. Juli verfünffacht haben, ist dennoch nur ein bisschen alarmierend. Denn die Situation ist nicht mit vorhergehenden Wellen vergleichbar.

Der erste große Unterschied ist die Altersverteilung: Rund 70 Prozent der Neuinfektionen entfallen auf Unter-35-Jährige. Bekannterweise sind sie meist symptomfrei – und bei stärkeren Verläufen sind sie weit davon entfernt, in ein Krankenhaus zu müssen, vor allem wenn sie geimpft sind. Dann ist man auch nicht in Gefahr, eine Long-Covid-Erkrankung einzufangen, bei der man wochenlang Beeinträchtigungen hat.

Zweitens bewegen sich die Zahlen in den Intensivstationen nicht parallel zur Infektionskurve nach oben. Weil die Risikogruppen gut durchgeimpft sind. So ist das auch in Ländern mit wieder furchtbar klingenden Inzidenzen jenseits von 250. Der Druck auf die Spitäler bleibt dort ebenso aus wie steigende Todesfall-Zahlen.

Sukkus daraus: Impfen hilft. Vor allem junge Menschen sollten sich dessen noch stärker bewusst werden. Nutzen Sie also Ihre Überzeugungskraft bei Enkerln, Nichten oder Neffen.

Doch werfen wir einen Blick in die Zukunft: Aus Regierungskreisen war zu hören, dass man in den Problemzonen Nachtgastronomie und Reisen Nachschärfungen des Regelwerks vornehmen könnte. Die fast grenzenlose Öffnung der Discos und Bars ohne Sperrstunde und mit hoher Besucherzahl ist vor allem in Innenräumen ein Fehler gewesen. Wenn hunderte ungeimpfte junge Menschen dicht an dicht feiern, singen und tanzen, reicht schon ein einziger übersehener Corona-Infekt aus, um einen Cluster zu produzieren. Open Air feiern ja. Indoor leider nein.

Dass aber jetzt großflächige Sperren kommen, muss für die Regierung ausgeschlossen sein. Wer geimpft oder genesen ist, darf vom Staat nicht mehr seiner Freiheit beraubt werden. Auch wenn jeder Todesfall durch Corona einer zu viel ist, lassen wir uns während der Grippewelle mit jährlich bis zu 2.000 Toten ebenfalls nicht einschränken oder zusperren, geschweige denn mehr als zehn Zentimeter lange Staberl in die Nase stecken, nur um zu prüfen, ob der Sitznachbar im Büro schon infiziert ist und  vor Ausbruch seiner Krankheit ansteckend sein könnte.

Der Vergleich Grippe mit Corona war seit dem Ausbruch der Pandemie verpönt und wird auch hier wieder für Aufregung sorgen. Die Krankheiten sind auch weiterhin nicht miteinander zu vergleichen. Doch die Impfungen haben es möglich gemacht, dass wir mit Covid so leben werden können und müssen wie mit der (schweren) Influenza. Besonders dann wenn noch möglichst viele zum Impfen kommen und die Medikamente gegen eine Infektion bald auch wirksamer werden. Und der Staat dann seine Schuldigkeit getan hat.

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