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Was dauert da so lange?

Obwohl die absolute Mehrheit der Bevölkerung und alle einschlägigen Experten eine Verlängerung der Wehrpflicht bejahen, zaudert die Regierung.
Christian Böhmer
++ THEMENBILD ++ BUNDESHEER: CONSTRUCTOR 2025 - AUSBILDUNGSÜBUNG "KAMPF IM STELLUNGSSYSTEM"

Sie wollen also wieder eine Runde drehen: Am Dienstag wird in der Regierung über die Verlängerung der Wehrpflicht verhandelt. Damit keine falschen Hoffnungen aufkommen, gleich vorab der Dämpfer: Worauf man sich einigen könnte, ist ebenso offen wie die Frage, ob man sich überhaupt irgendwann auf eine Wehrdienst-Verlängerung einigt. Nicht zu reden vom längeren Zivildienst, über den man in Ermangelung absehbarer Kompromisse gleich gar nicht sprechen mag.

Angesichts dieses ernüchternden Verhandlungsstandes mag es nicht verwundern, dass die allgemeine Ungeduld steigt. „Tag für Tag wird wertvolle Zeit verloren!“, warnt ein hörbar irritierter Erwin Hameseder. Exakt vier Monate ist es her, dass der Generalmajor und Milizbeauftragte der Regierung als Vorsitzender einer Expertenkommission satte 49 Empfehlungen an die Hand gegeben hat, um in der Sache klug und zügig entscheiden zu können.

Dass der Grundwehrdienst verlängert werden muss, gilt nicht nur für die parteipolitisch unabhängigen Mitglieder der Kommission, sondern für die gesamte Sicherheitscommunity als alternativlos.

Warum die Verlängerung? Warum reicht es nicht, zum Beispiel einfach moderneres Gerät zu kaufen?

Eine Antwort ist die Demografie: Derzeit leisten in Österreich nur noch 31 Prozent eines Geburtsjahrganges entweder Wehrdienst oder Wehrersatz-, sprich: Zivildienst. Die verbleibenden zwei Drittel sind untaugliche wehrpflichtige Männer, Frauen oder hier Lebende mit einer anderen Staatsbürgerschaft.

Verwendungsfähig 

Die zweite, noch viel unbequemere Antwort ist diese: Österreichs Grundwehrdiener sind im Mai 2026 als Soldaten zwar „feldverwendungsfähig“ – aber nicht viel mehr.

„Verwendungsfähig“ bedeutet: Sie sind so weit ausgebildet, sich im Ernstfall irgendwie zurechtzufinden.

Von dem, was sich in den vergangenen Jahren als State of the Art erwiesen hat, nämlich: sich mit komplexen Waffen- und Ausrüstungsgegenständen (Drohnenabwehr, Nachtsichtgeräte etc.) in schlafwandlerischer Sicherheit zu bewegen, um am Leben zu bleiben, davon sind Österreichs Grundwehrdiener – noch – ein Stück entfernt.

Für die Mehrheit der Wähler ist all das weder neu noch überraschend: Laut Trendradar des Bundesheeres ist eine absolute Mehrheit (!) überzeugt, dass Ausbildungs- und Dienstzeit im Heer mittlerweile zu kurz sind.

Würde die Regierung eine Verlängerung der Wehrpflicht beschließen, wüsste sie nicht nur die meisten Experten, sondern auch die Mehrheit der Wähler hinter sich. Dieser politische Glücksfall ist selten anzutreffen. Insofern fragt man sich umso mehr: Was dauert da so lange?

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