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Leitartikel
03/10/2021

Weg frei für das Virus

Schnelles Handeln zum Eingrenzen von Corona? Bei uns wird lieber pomali diskutiert, bis das Virus auf und (leider nicht) davon ist

von Andreas Schwarz

Hermagor ist seit gestern Corona-abgeriegelt. Das heißt auf österreichisch, die Stadt darf schon verlassen werden, aber nur mit negativem Test. Nachdem Testen zur Zeit so etwas wie das neue Impfen ist, bis Impfstoff für alle da ist, wäre das nicht so schlimm. Für die Bewohner ist eher bitter: Lange galt die Stadt im Gailtal quasi als Corona-frei, jetzt ist man bei einer 7-Tage-Inzidenz von rund 600. Und apropos lange: Wochenlang wurde seitens Politik und Behörden über die Notwendigkeit oder Nicht-Notwendigkeit dieser Halbquarantäne für Hermagor diskutiert.

In Wiener Neustadt, einem weiteren Corona-Hotspot, dauerte die Debatte „nur“ gut eine Woche – dafür wird die Ausreisesperre zunächst nicht kontrolliert. In Muhr im Lungau und anderen Salzburger und Tiroler Gemeinden kam die Ausreisesperre per heute relativ plötzlich – wenn man „plötzlich“ gelten lassen will angesichts von Inzidenzwerten, die über Wochen auf 1.400 und mehr geklettert sind.

Ja in was für einem Würstelland leben wir? Hier geht es um die Bekämpfung eines heimtückischen Virus und seiner Varianten, nicht um die Vermessung, Begutachtung und Bewilligung eines Imbissstandes (noch eine Einspruchsfrist, drei Zentimeter links bitte, und über den Verkauf von heißen Getränken reden wir noch). Haben wir aus Ischgl – ja, das böse I-Wort – nichts gelernt? Ein Virus und seine Mutationen leben von ihrer Verbreitung und mithin ihrer Wanderschaft. Während pomali debattiert wird, ob und wann und warum doch noch nicht auf ein Infektionsgeschehen reagiert wird, ist das Virus längst auf und davon (also davon leider nicht).

In Neuseeland ist Covid so gut wie besiegt. Das liegt auch daran, dass sich eine Insel beim Kampf gegen Corona leichter tut. Aber vor allem an der Konsequenz. Wenn im Covid-freien Auckland ein paar Fälle auftauchen, gibt es augenblicklich einen Lockdown und eine Abriegelung (nix Ausreise mit 72 Stunden altem Test), ein paar Tage lang – und dann ist der Corona-Spuk wieder vorbei. Auckland ist übrigens ein bisserl größer als Wr. Neustadt.

Bei uns legen sich Regionalkaiser in Tirol-Manier zunächst einmal quer, dann schreiben Beamte hastig (?) an einer Verordnung („Hochinzidenzgebietsverordnung“ heißt die aktuelle), weil alles niet- und nagelfest sein muss – schließlich lauern hinter jedem Busch „Ich-hab-schließlich-Jus-studiert“-Schmalspuradvokaten, die gerne gegen Maskenpflicht in Schulen und andere Maßnahmen zum Höchstgericht laufen. Diese Verzögerung bildet eine unheilige Allianz mit der österreichischen „Das-war-noch-nie-so“- und „Das-geht-sicher-nicht“-Mentalität.

Das Virus freut’s. Es verbreitet sich umso fröhlicher, je mehr ihm verbissene Bedenkenträger begegnen bzw. ihm den Weg frei machen. Es mag nur schnelles Handeln nicht. Die Handelnden hierzulande mögen es leider auch nicht.

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