Meinung 05.12.2011

Von Arnautovic, Alaba und Disziplin

Saure-Gurken-Zeit im heimischen Fußball. Aber im internationalen Geschäft tut sich trotzdem so manches.

Der LASK quält seine Akteure durch ein sinnloses Hallenturnier in Riesa (ausgeschieden nach einem Tag), holt Toni Polster in seinen Stab. Kärnten überlegt wieviele der Herbstversager im Frühjahr stempeln gehen müssen, die Austria hat mit Fanproblemen zu tun und Rapid kämpft alleine gegen den Rest der Liga (außer den LASK) um einen Umschwung in der Frage der TV-Vermarktung der Bundesliga (Krieg vorprogrammiert - wenn sich Rapid abkapseln möchte, ist die Liga halt einfach fies und setzt Rapids Heimspiele Sonntags um 10 Uhr Vormittag an). Und wenn durch Langeweile verursachte Lächerlichkeiten die fußballentwöhnte Seele in der kalten Jahreszeit nicht glücklich machen, muss man einfach einen Blick ins Ausland werfen.

Exzentriker gegen Exzentriker

Da gibt es zum Beispiel einen jungen Mann, der im Kader des überlegenen italienischen Tabellenführers Inter Mailand gemäß seines Geburtsjahres die Rückennummer 89 trägt. Im April wird der fünffache Teamspieler 21 Jahre alt und bis dahin sollte er die Chefs, vorallem "seinen Chef", Inter Mailands exzentrischen Coach Jose Mourinho, von seinen Fähigkeiten überzeugt haben. Arnautovic gehört dem FC Twente, derzeit übrigens Tabellenführer der niederländischen Eredivisie, könnte Österreichs teuerster Fußballexport werden, wenn Inter sich kommenden Sommer dazu entschließt, den Offensivspieler aus seinem Vertrag herauszukaufen. Aber schon jetzt sieht es danach aus, dass Inter auf eine Weiterverpflichtung des Österreichers verzichten wird. Arnautovic hätte im heutigen Testspiel gegen Al-Hilal von Beginn an stürmen sollen, stand im Endeffekt jedoch keine Minute auf dem Platz. Disziplinäre Gründe trieben Mourinho zur Verbannung des technisch beschlagenen Österreichers. Stattdessen spielte der routinierte und verdiente Argentinier Diego Milito im Angriff und erzielte den einzigen Treffer des Spiels. Wenn zwei Exzentriker aufeinanderprallen, gibt es meistens einen der verliert und das ist, wie auch in diesem Fall, nicht der, der am längeren Ast sitzt. Marko Arnautovic - Supertalent und doch nur eine weitere Hoffnung, auf die wir Österreicher uns lange klammern, der den Sprung nach ganz oben aus Gründen fehlender Professionalität oder Intelligenz nicht schafft?

Alaba mit nach Dubai

Momentan zeigt sich Austria-Schüler und Bayern-Auswanderer David Alaba (17) als positives Gegenbeispiel zu den Eskapaden des Marko Arnautovic. Alaba ist ein guter Techniker, der bereits in jungen Jahren mit hohem Tempo gut zurecht kommt, beidbeinig spielt, ein Spiel an sich reissen kann. Aber was ihn wirklich stark macht, sehen nicht nur jetzt tatsächliche oder selbsternannte Experten. Das sah unter anderem auch schon ein ehemaliger Mitspieler des Spielers der Bayern München Amateure. Der damals 14jährige Schülerliga-Mitstreiter Alabas, der auch mit dem Neo-Legionär die Schulbank in der Polgarstrasse drückte, war schon damals davon überzeugt, dass es der zweifache österreichische Teamspieler ganz nach oben schaffen könnte, weil seine Einstellung passt, er nur für den Fußball lebt und sich auch abseits der offiziellen Trainingseinheiten fit hält und stets verbessern will. Dies alles sind wohl auch Gründe dafür, dass Louis van Gaal den 17jährigen jetzt mit zum Trainingslager nach Dubai nimmt, wo er einmal mehr dem harten Trainingsprogramm der großen Bayern untersteht und auch sicher die eine oder andere Einsatzminute in Testspielen bekommen wird, an der Seite von Gomez, Ribery und Co.

U21 statt A-Team

Ich habe dennoch die Hoffnung, dass Teamchef Constantini Alaba nicht zu früh ins kalte Wasser wirft. Ich verstehe es angesichts unserer nationalen Spielersituation, wenn Alaba zum A-Teamspieler gemacht wird, wenn er eine Saison lang etwa nur Ergänzungsspieler in der ersten Mannschaft der Bayern war. Aber man darf nicht übersehen, dass Alaba noch nie ein Pflichtspiel für Bayern München bestritt, für die B-Elf in der Regionalliga Süd erst 14mal auf dem Platz stand. Solange sich das nicht ändert - und keine Angst, nur Geduld, das wird es früher oder später - kann er ruhig der U21-Nationalmannschaft helfen, anstatt in der Kampfmannschaft als Symbol einer Trainerphilosophie herhalten.

Erstellt am 05.12.2011