Meinung
05.05.2017

Verlorene Koffer

Zwischen diversen Flughäfen der Welt gehen angeblich fast 90.000 Koffer verloren – täglich.

Zwischen diversen Flughäfen der Welt gehen angeblich fast 90.000 Koffer verloren – täglich.

Mag. Simone Hoepke | über verlorene Koffer

Der Vorstand der Europäischen Reiseversicherung verkündet, dass der Konzern sein 110-jähriges Bestehen feiert. Da stellt sich unweigerlich die Frage, was es zu versichern gab, bevor Flüge ausgefallen sind, weil Piloten gerade wieder einmal gestreikt haben.

Auch gab es damals noch keine Schülergruppen, die – wie diese Woche in Wien-Schwechat passiert – 40 Stunden auf den Abflug zur Sportwoche auf Mallorca gewartet haben. Skikurse waren damals auch nicht breitenwirksam. Die Zahl der Flachländer, die sich auf den Brettern den Hax’n gebrochen haben, war überschaubar. Die Zahl der Helikopter, die sie ins Krankenhaus flogen auch. Zudem wurden Passagiere amerikanischer Airlines noch nicht aus der Maschine geboxt, wenn diese wieder mal überbucht war.

Trotzdem brauchte es damals schon eine Reiseversicherung, fand zumindest Max von Engel, als er mit seinem Köfferchen vor einer Funken sprühenden Dampf-Lok stand. Nicht nur, dass das Gepäck damals infolge von Funkenflug oft in Rauch aufging. Es ging auch auf halber Strecke verloren. Gut, letzteres passiert heute noch. Zwischen diversen Flughäfen der Welt gehen angeblich fast 90.000 Koffer verloren – täglich. Man braucht sich also nichts einzubilden, wenn man selbst tagelange ohne Bikini auf einer Ferieninsel weilt.

Im Gegenteil. Man ist in bester Gesellschaft. Das geht auch aus einem Brief von Alma Mahler-Werfel hervor, in dem sie 1907 über ihre Fahrt mit Gustav Mahler nach Rom schreibt: "Am Semmering erste Panne. Der Zug bleibt auf der Strecke stehen. Ich sprang aus dem Bett, ... Bruch der Maschine … zwischen Bologna und Rom hatten wir einen zweiten, knapp vor Rom einen dritten Maschinenbruch. Wir verloren unseren Schlafwagenanschluss, viel Geld und alle Koffer. Wir mussten wochenlang in schnell gekaufter Wäsche herumgehen. Mahler, der gewöhnt war, nur feine Hemden zu tragen, musste in ein steifes kriechen, und wir fanden beide, dass er wie ein Firmling darin aussehe."

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Das hat sich über die Jahrhunderte nicht geändert.