über Spekulanten
12/07/2012

Verantwortung heißt Rücktritt. Anderswo

Mit Steuergeld wird gespielt und gezockt. In Salzburg hat davon natürlich niemand etwas gewusst.

von Helmut Brandstätter

Die glauben, dass sie mit komplizierten Wetten Geld verdienen können.

Dr. Helmut Brandstätter | über Spekulanten

Die Österreicher sind ein Volk von Zockern und Spekulanten. Im Schnitt gibt jeder Haushalt pro Jahr über tausend Euro für Lottoscheine, Internetwetten oder Casinobesuche aus. Bei einem Durchschnittseinkommen von rund 25.000 Euro pro Person ist das eine beachtliche Summe. Hier wird bestenfalls ein gewisses Spielbedürfnis befriedigt. An eine Geldvermehrung, also einen ökonomischen Vorteil wird hoffentlich kein Spieler glauben. Es ist wahrscheinlicher, dass man von einer Dachlawine getroffen wird, als dass man einen Sechser im Lotto errät. Anders ist das bei Spekulanten. Die glauben, dass sie mit komplizierten Wetten Geld verdienen können. Und auch hier sind wir Weltmeister. Rund 36 Milliarden Euro an Fremdwährungskrediten haften bei heimischen Banken aus. Solche Kredite sind eine besondere Form der Spekulation, weil die vielen Kunden gleich zwei Risiken gleichzeitig eingingen: Zunächst die Hoffnung, dass die fremde Währung, meist der Schweizer Franken, weniger wert, also der Kredit kleiner wird. Dann aber wird noch auf sogenannte Tilgunsgträger angespart. Wenn da die Erträge nicht kommen, wie angenommen, klafft am Ende des Kredits oft eine Lücke – und der Franken entwickelte sich auch nicht wie erhofft.Diese Kredite sind seit Jahren verboten, umso mehr spekulieren seither die öffentlichen Hände. Mit unserem Geld, mit dem Steueraufkommen der Österreicher. Und da es ja um fremdes Vermögen geht, haben staatliche Stellen umso großzügiger, also spekulativer agiert. Das geht von kleinen Gemeinden, die sich mit Immofinanzaktien verzockten, bis zu Städten und Bundesländern, die hohe Millionenbeträge verspielten. Das Drama in Salzburg ist vielleicht nur deshalb bekannt geworden,weil alle Beteiligten die Nerven verloren haben.Das Geld der SteuerzahlerMan muss sich das einmal vorstellen: Da sitzen – sicherlich begabte – Beamte in ihren Büros und glauben, gegen gewiefte und bestens geschulte Banker eine Chance zu haben. Denn genau darum geht es. Es sind ja meistens Wetten auf künftige Entwicklungen, auf steigende oder fallende Kurse von Währungen oder Aktien etwa. Diese beruhen aber auf komplizierten mathematischen Konstruktionen. Und oft sind Papiere so verpackt, dass sich nur noch ganz wenige auskennen. Auch die Bankenkrise des Jahres 2008 hat ja so begonnen. Und auch hier waren es ausgerechnet vor allem deutsche Landesbanken, also Institute im Eigentum der Steuerzahler, die besonders unverschämt spekuliert haben. Es würde ja genügen, wenn künftig alle Beteiligten mit fremdem Geld so umgingen, wie mit dem eigenen. Und wenn künftig Vorstände und Aufsichtsräte in öffentlichen Unternehmen ihre Entscheidungen so träfen, als würde die Firma ihnen gehören. Und Politiker, die diese Spekulationen zugelassen haben, sollten wissen, was sie zu tun haben. Aber so verspielt wir auch sind, das wird es nicht spielen. Wir sind ja in Österreich.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.