Trumps Abkommen mit Saudi-Arabien zeugt von atomarer Doppelmoral
Der Kronprinz Saudi-Arabiens, Mohammed bin Salman, und US-Präsident Donald Trump im November 2025 in Washington.
Nur zwölf Jahre, bevor der letzte Schah vor der Islamischen Revolution ins Exil floh, hatten die USA der Universität Teheran 1967 einen kleinen Atomreaktor für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt, inklusive hoch angereichertem, waffenfähigem Uran.
Grundlage für dieses Vertrauen war ein gemeinsames Atomabkommen, das zu diesem Zeitpunkt bereits zehn Jahre Bestand hatte. Der Schah galt in Washington als verlässlicher Partner, als Bollwerk gegen die Sowjetunion.
Der Rest ist Geschichte: 1979 fegte die Islamische Revolution über den Iran, das Mullah-Regime übernahm die Macht – und damit auch jene US-Technologie, die später zur Grundlage des iranischen Atomprogramms wurde.
Historische Blindheit und offener Widerspruch
Diese Anekdote sollte man im Hinterkopf haben, wenn man auf das neue Atomabkommen blickt, dass die Trump-Regierung am Mittwochabend mit Saudi-Arabien unterzeichnet hat.
Denn es steht unter derselben Prämisse: Eine Golfmonarchie, der man US-Nukleartechnologie aushändigt, in der stillen Hoffnung, dass die Herrschaft des Verbündeten für immer Bestand hat.
Wohlgemerkt: In Saudi-Arabien gibt es derzeit keinerlei Anzeichen für einen Umsturz, die Königsfamilie hat das Land fest im Griff. Doch die Geschichte kennt für solche Wetten keine Garantie.
Der internationale Aufschrei gilt aber nicht nur der historischen Blindheit, sondern dem offenen Widerspruch, der mit dem Abkommen einhergeht. Donald Trump Begründung für den Krieg gegen den Iran lautet schließlich: Das dortige Regime darf niemals Uran anreichern, niemals in den Besitz einer Atombombe kommen.
Und nun händigt derselbe Präsident dem saudischen Königshaus, einer der letzten tatsächlich absolutistischen Monarchien der Welt, die Mittel zur eigenen Anreicherung aus – ohne kurzfristige Kontrollen durch die Atomenergiebehörde IAEA.
Auf gut Österreichisch: Das geht sich nicht aus.
Neues Sicherheitsdilemma im Nahen Osten
Zumal die anderen Golfstaaten dadurch mittelfristig vor einem neuen Sicherheitsdilemma stehen: Bin ich erst sicher, wenn ich selbst eine Bombe habe? Saudi-Arabien hat mit dem Iran einen klaren Feind, aber auch sonst in der Region nicht nur Freunde.
Wie reagieren etwa die Vereinigten Arabischen Emirate, die sich bei ihrem Abkommen mit den USA 2009 vertraglich zusichern ließen, nachverhandeln zu dürfen, sollte ein Nachbarstaat bessere Konditionen bekommen?
Es waren gerade die USA, die nach 1945 viele Programme zur atomaren Abrüstung vorantrieben. Perfekt war diese Sicherheitsarchitektur nie, aber sie hielt zumindest die Zahl der Atommächte klein.
Gegen dieses Fundament hat Trump nun den Vorschlaghammer geschwungen. Und womöglich ein Wettrüsten in der fragilsten Region unserer Erde ausgelöst.
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