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Meinung
09/06/2019

Trump, Johnson & Co.: Die Scharlatane sind noch nicht am Ende

Typen wie der britische Premierminister werden uns noch beschäftigen – auch wenn sie beginnen, sich zu entzaubern.

von Andreas Schwarz

Floppy Johnson can’t get an election“, hat die Sun schlüpfrig getitelt („Schlapper Johnson bekommt keine Wahl“). Der britische Premier ist mit seinem Brexit- und Neuwahlplänen zunächst gescheitert, und um den Spott zum Schaden muss er sich nicht auch noch kümmern. Gerade sechs Wochen im Amt, hat die „aufgeblasene Badeente“ (© Hugh Grant), die so gerne in den Fußstapfen Winston Churchills treten würde, mehr Pleiten gelandet, als jeder Premier vor ihm.

Es scheint, als hätte sich der flatterhafte Pfeifdrauf Boris Johnson, der die Briten mit Lügen in den Brexit gelockt hat, schneller entzaubert, als erhofft. Gleichzeitig hat sich in Italien mit Matteo Salvini einer der rabiatesten Populisten ins Regierungs-Aus manövriert. Und Donald Trump, der den Dänen gerne Grönland abgekauft und Hurrikans mit A-Bomben zerstört hätte, macht sich jeden Tag mit einer neuen Unglaublichkeit lächerlich.

Ist das schon die Götterdämmerung für politische Scharlatane und populistische Glücksritter aller Art?

Gemach, gemach. Den britischen Premier hat bisher nicht das Volk, sondern das Parlament gestoppt. Und wenn es doch zu Neuwahlen kommen sollte, steht mit Nigel Farage ein anderer Rattenfänger auf der Matte, dem die Briten ins Unglück nachlaufen könnten.

Erste Reihe fußfrei

Salvini wiederum (er passt nicht ganz in die Scharlatan-Riege) sitzt nun erste Reihe fußfrei und wartet, wie die neue Regierung tut. Einiges spricht dafür, dass er von außen bellend seine Chancen bei der nächsten Wahl weiter hinaufschrauben wird. Während die vom Kasperl Beppe Grillo gegründeten Fünf Sterne einen Außenminister stellen, der nicht einmal Englisch kann (obwohl: angeblich viele Sprachen zu sprechen, schützt vor maßloser Selbstüberschätzung auch nicht, wie wir wissen ...).

In den USA ist die Schmerzgrenze mit dem Reality-Show-Darsteller im Weißen Haus noch nicht erreicht. Trotz holpernder Wirtschaft, auch für die Amerikaner fataler Zollpolitik und dürrer Umfragewerte sind die Chancen, dass Donald Trump die nächste Wahl gewinnt, intakt.

Sie alle verdanken ihren Erfolg der Unzufriedenheit des Wahlvolks mit dem politischen Establishment. Das noch viel zu tun hat, sich wieder auf das Volk zuzubewegen und Vertrauen zurückzugewinnen. Dennoch: Zum ersten Mal seit dem Auftauchen politischer Scharlatane an der Macht darf das Staunen leichter Hoffnung weichen. Die Wunderwuzzis und Heilsversprecher von Johnson bis Trump leisten zunehmend den politischen Offenbarungseid, der da lautet: Dilettantismus als Programm mag als Anforderungsprofil eine Zeit gereicht haben. Er reicht aber nicht auf Dauer. Und vielleicht ist er in ein paar Jahren nur noch eine Episode der Geschichte.