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Leitartikel
11/04/2020

Trump, Biden, oder: Amerikanische Episoden

Donald Trump wehrt sich rabiat gegen die Niederlage. Joe Biden steht an der Schwelle zum Weißen Haus. Die USA werden Beides überleben .

von Andreas Schwarz

In einer Bananenrepublik, wenn der Terminus noch erlaubt ist, oder sagen wir: in einem Staat mit zweifelhafter demokratischer Gebarung ist es üblich, dass sich der amtierende Präsident zum Wahlsieger erklärt, noch ehe die Wahl entschieden ist. Weil’s am Ende ohne Belang ist, was auf den Stimmzetteln steht. Der Präsident entscheidet, wer Präsident bleibt.

Die Vereinigten Staaten indes gelten seit 1787 mit all ihren Mängeln als eines der Mutterländer der Demokratie – nur ihr gerade amtierender Präsident agiert wie der Häuptling einer Bananenrepublik.

Übertrieben? „Betrug am amerikanischen Volk“, schwadronierte Donald Trump am Wahlabend und erklärte sich nach Aufzählung der Staaten, die er gewonnen habe, zum Sieger. Da waren entscheidende Staaten lange nicht ausgezählt. Weshalb Trump die Auszählung juristisch zu stoppen sucht.

Es ist also eingetreten, was vor der Wahl am meisten befürchtet worden war: Der prognostizierte Erdrutschsieg für den demokratischen Herausforderer Joe Biden schrumpfte in der Wahlnacht zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen, von dem der sonst von keinen Zweifeln angekränkelte Präsident schon annehmen musste, dass er am Ende den Kopf nicht vorne haben würde. Also griff der Mann im Weißen Haus tatsächlich wieder zur seit Tagen geschwungenen Keule: Wenn ich verliere, dann nur durch Wahlbetrug.

Das wird einmal den Eintrag des Donald Trump in den Geschichtsbüchern prägen. Nicht seine erratische Politik, nicht seine psychoanalytisch interessanten Tweets, nicht sein hemdsärmelig bis rüpelhaftes Auftreten und auch nicht seine Unkenntnis in Sachfragen – das auch. Sondern der Hass gegen alles, das seiner Greatness im Wege liegt. Das haben gefeuerte Weggefährten zu spüren bekommen; das hat zur tiefen Spaltung der Nation geführt; das äußert sich in der Ver- und Missachtung des Wählers, verbunden mit der Inkaufnahme eines Nachwahl-Chaos. Von zum „Aufpassen“ aufgeforderten rechten Recken und gewalttätigen Konflikten nicht zu reden.

Trump lag und liegt nur Amerika am Herzen, again und again? Amerika ist dem großen Kind völlig egal – bekomme ich nicht, was mir zusteht, kann auch das Land mit mir versinken.

Die Demokratie der USA samt ihren Institutionen ist gefestigt genug, das nicht zu tun – wir sind ja nicht in einer Bananenrepublik. Sie wird auch die Episode Donald Trump verkraften. Wobei wir beim Stichwort Episode dann leider auch beim möglichen Wahlsieger Joe Biden wären. Wenn er ins Weiße Haus einziehen sollte, dann nur, weil die Mehrheit der Wähler Donald Trump (entgegen dessen Eigenwahrnehmung) dort nicht mehr sehen wollten. Auf einen wirklich starken, zukunftsfitten, neuen Mut machenden Präsidenten, der auch die Kraft hat, die Nation wieder zu einen, darauf wird sie halt noch einige Zeit warten müssen.

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