Meinung
08.12.2017

Statt Lichtschalter gibt es Badehauben

Bei Hotelduschen kommt das Wasser nie dort raus, wo man es vermutet.

Bei Hotelduschen kommt das Wasser nie dort raus, wo man es vermutet.

Mag. Simone Hoepke | über Tücken im Hotel

Manches will ich gar nicht wissen. Leider kommt dann jemand und erzählt es mir trotzdem.

Wie diese Bettgeschichte.

Sie beginnt damit, dass eine Decke nur gut ist, wenn sie viel Flüssigkeit aufnehmen und damit vom Menschen ableiten kann.

Ich ahne sofort, dass ich die Erklärung nicht hören will. Doch der Experte doziert schon, dass der Mensch des nächtens schwitzt. Einen halben Liter Flüssigkeit verliert er. Durchschnittlich. Manche bis zu einem Liter.

Die Aussicht auf die bevorstehende Nacht im Hotel mutiert zum Albtraum. Ich erwäge die Variante "durchmachen". Entwickle Verständnis für eine Hoteldirektorin, die mir einst anvertraute, dass sie nie ohne ihren Polster verreist. Sie wusste also längst, dass der Mensch etwa 170 Schweißdrüsen auf der Stirn, 80 auf der Wange und weitere rund um die Nase hat. Und sie allesamt in den Hotelpolster drückt. Mich wundert, wie die Dame mit ihrem Wissen ohne ihre eigene Decke schlafen kann. Schließlich haben auf einem Menschen zwei Millionen Schweißdrüsen Platz.

Das ist wohl der Grund, weshalb Hoteliers Zimmer gern auf eine Temperatur kühlen, die nur Kaiserpinguine heimelig finden.Duschen im Hotel ist auch nichts für Feiglinge. Tendenziell kommt das Wasser dort raus, wo man es am wenigsten vermutet. Nie tröpfchenweise in jener Ecke, in die ich probeweise meine Zehe halte, sondern mit einem Platsch genau über mir. Womit sich das Thema Frisur erstmal erledigt hat. Hoteliers mit Hang zum Fair Play legen wenigstens Schutzkleidung bereit: Badehauben. Ein Accessoire, das ich noch nie in einem privaten Bad gesehen habe.

Dagegen sind Lichtschalter in Privathäusern ein weit verbreitetes Phänomen. In Hotels nicht. Ich hab schon bei Festbeleuchtung geschlafen, weil ich den Schalter für das letzte der 13 Lichter im Zimmer nicht finden konnte. Die indirekte Beleuchtung hinterm Bett. Der Verzweiflungsakt "Glühbirne rausschrauben" ist da keine Option.

Über Weihnachten bleib ich daheim. Nicht weil die Menschheit so viel schwitzt und ich mit Hotelduschen überfordert bin. Die Therme ist ausgebucht.