Meinung
16.04.2017

Shakespeare reloaded

Es braucht dafür halt die nötigen Eltern!

Niki Glattauer | über Kindergroßwerdung und die Rolle der Erwachsenen

In meiner Gewerkschaftszeitung (GÖD) stieß ich auf folgende Nachricht. Eine Schule in Portugal sah sich aus gegebenen Anlässen genötigt, in Sachen Arbeitsteilung bei der Kindergroßwerdung einen Elternbrief zu verfassen. "Liebe Eltern! Wir möchten Sie daran erinnern, dass magische Worte wie guten Morgen, bitte, danke, gern geschehen, Entschuldigung etc. zuerst zu Hause gelernt werden müssen. Zu Hause lernen Kinder auch, wie man ehrlich, pünktlich und fleißig ist, Freunden Mitgefühl und Erwachsenen und Lehrern gegenüber Respekt zeigt. Zu Hause lernen sie, wie man gepflegt ist, nicht mit vollem Mund spricht und wie/wo man seinen Müll los wird. Hier in der Schule dagegen bringen wir den Kindern Sprachen, Mathematik, Geschichte, Geographie, Physik, Wissenschaft und Sport bei."

Gut, einmal abgesehen davon, dass man auch Freunden Respekt und Erwachsenen Mitgefühl entgegenbringen kann (und nicht nur andersrum, wie es in diesem Schreiben idiotischerweise heißt) und abgesehen von noch ein paar anderen Abgesehen-Davons – dem Grunde nach ist eine solche Klarstellung natürlich richtig und angebracht. Nur: Es braucht dafür halt die nötigen Eltern! Immer wieder erzähle ich gern die Schnurre aus dem Leben meines Englisch-Kollegen. Er hatte die Eltern eines Mitschülers vorgeladen, weil der drei Mal hintereinander alkoholisiert zum Nachmittagsunterricht gekommen war.

Im Lehrerzimmer entwickelte sich ein Dialog – zwischen Mama und Papa des Knaben. Schau da eam genau ou, Mama. Ea vagunnt dem Buam sei Zü-Wossa net.- Sein was bitte?- Mit dia redt kana, Schegsbier.- Haben Sie eben Shakespe...?- I hob gsogt, mit dia redt kana. Zerscht moch’s in dere Schui die Kinda fertich, dassa se oisa Nichtana goa nimma einetraun, und donn kennan aa no mia outonzt kumman. Ois hätt ma daham nix Bessas ztuan, göh Mama (hahaha).- Aber, Alkohol ist bitte streng…- Hob i gsogt, dass du redn derfst? I wer da wos sogn, Schegsbier, wann du dei Schuimüch dringn wüst, drings. Oba loss in Buam in Rua, solong a sunst nix ohstöht. Und jetzt gemma, Mama, bevur i de Kawln kriag. Tja.