Meinung
08.07.2017

Schwammerln

Vor 7 und nach 19 Uhr ist das Sammeln von Pilzen verboten.

Vor 7 und nach 19 Uhr ist das Sammeln von Pilzen verboten.

Mag. Simone Hoepke | über Schwammerl

In Kärnten gibt es sehr wohl zweisprachige Tafeln! Jawohl! Ganz freiwillig werden sie aufgestellt! Oder besser gesagt an Bäume genagelt, die das Pech haben, am Eingang zu Waldwegen Wurzeln geschlagen zu haben.

Auf einem gelben Hinweisschild steht "Sammeln von Schwämmen verboten". Wer es genau wissen will und sich ganz nah ans Schild heranpirscht, kann auch das Kleingedruckte lesen: "Um sie vor Ausrottung zu schützen." Und dann das Ganze noch mal frei übersetzt auf Italienisch (Vietato raccogliere funghi nella foresta. Ogni transgressione sarà punita).

"Fair enough", wie die Briten sagen. Schließlich erkennt der Kärntner erst an einem italienischen Schild, dass im Nachbarswald Pilze wachsen. Am Nummernschild des Italieners, der dort parkt. Da stellt sich sofort die Frage, wem die Pilze im Wald überhaupt gehören.

Dem Waldbesitzer.

Wenn der ein Spielverderber ist, stellt er ein Verbotsschild auf und mit dem Schwammerln-Sammeln ist Ende am Gelände. Steht so im Forstgesetz. Basta.

Sonst dürfen Pilzjäger bis zu zwei Kilo einsammeln. Für Übermotivierte: Diese Zahl lässt sich nicht beliebig multiplizieren, in dem man eine Schulklasse am Waldrand absetzt und im Fall des Falles behauptet, dass sie alle zu einem gehören. Das gilt nicht. In Gruppen dürfen in Summe maximal acht Kilo aus den Wald geschleppt werden. Aber nicht vor 7 oder nach 19 Uhr – da herrscht Nachtruhe. In Salzburg ab 1. Oktober sogar ab 17 Uhr. Vielleicht vermehren sich Pilze in der Nacht und wollen dabei ungestört sein. In Kärnten sind Steinpilze und Eierschwammerln überhaupt von Oktober bis Mitte Juni geschützt. Da darf man sie zu keiner Tageszeit anrühren ...

Den besten Pilz-Fund aller Zeiten hat ein Bekannter gemacht. 2,5 Kilo Eierschwammerl. Feinsäuberlich geputzt in einem Korb. Nein, nicht beim Billa im Gemüseregal – im Wald.

Er behauptet, er habe den halben Nachmittag nebst dem Korb gewartet, ob der Besitzer zurückkommt. Der hat ihn aber wohl für einen Kontrolleur gehalten und das Weite gesucht.