© KURIER/Jürg Christandl

Leitartikel
10/05/2020

Schutzschirm für Vereinsmeier

Wir rühmen uns als Land der Freiwilligen. Jetzt müssen wir aufpassen, dass uns Corona diesen gesellschaftlichen Kitt nicht nimmt.

von Martin Gebhart

Das Coronavirus vernichtet Geld. Viel Geld. Gleichgültig, wohin man schaut, überall tun sich plötzlich finanzielle Löcher auf, die der Staat rasch stopfen muss. Aber im Kampf gegen die Auswirkungen der Pandemie geht es nicht nur darum, ein Gesundheitssystem aufrecht zu erhalten und die pekuniären Schäden so gering als möglich zu halten. Covid-19 beginnt auch, unsere Gesellschaft zu transformieren, uns viel Lebensfreude zu nehmen. Gemeinschaft ist out, Abstand das Gebot der Stunde.

Das trifft jenen Bereich besonders hart, der oft als Vereinsmeierei – manchmal sogar ein wenig abschätzig – abgetan wird. Es deswegen angesichts der vielen großen Corona-Herausforderungen als kleines, gar lächerliches Nebenproblem abzutun, könnte aber ein schwerer Fehler sein, ein Ignorieren der gesellschaftlichen Realität.

Mehr als die Hälfte der Österreicher ist in Vereinen organisiert, mehr als 110.000 Vereine zählt das Land. Verpackt ist darin auch das enorme Potenzial der Freiwilligkeit, das sich von den Feuerwehren und Rettungsorganisationen bis hin zu sozialen Vereinen und die vielen Aktivitäten von Religionsgemeinschaften erstreckt.

Es ist unbestritten, dass deren Tätigkeiten dem Staat sehr viel Geld ersparen. Das wurde bisher bei den vielen „Jahren der Freiwilligkeit“, die sogar von der UNO und der EU ausgerufen worden waren, immer deutlich hervorgehoben. Und es muss auch jetzt wieder gesagt werden.

Die Freiwilligen brauchen in Zeiten der Corona-Krise Hilfe vom Staat. Da geht es nicht nur um Geld, auch wenn deswegen zuletzt vor allem Sportvereine und lokale Kulturinitiativen aufgeschrien haben. Letztere, weil sie das Gefühl haben, dass sie im lautstarken Förderungsfeilschen der Hochkultur komplett untergehen. Aber: Im nicht-professionellen Bereich wurde da von der Regierung mit dem NPO-Fonds ein gutes Ausgleichsinstrument für Vereine geschaffen.

Es geht vielmehr auch um Rahmenbedingungen, die eine Vereinsarbeit trotz Corona möglich machen – nicht bloß digital. Es geht darum, die Angst vor Clusterbildungen zu nehmen, die auch bei korrektem Corona-Verhalten möglich sind. Eine Angst, die derzeit in den meisten Fällen das Vereinsleben erstarren lässt. Es geht um die Nachwuchsarbeit, die jetzt nur sehr erschwert möglich ist. Es geht aber auch um ein gezieltes Hinschauen der Politik auf die Situation der Vereine, trotz der vielen anderen – größeren – Probleme, die momentan gelöst werden müssen. Es geht nicht zuletzt um Wertschätzung, die teilweise vermisst wird.

Die Vereine, die Freiwilligen stehen für einen Zusammenhalt in der Gesellschaft. Wenn der verloren geht, dann wird es als Konsequenz für den Staat teuer. Womit wir am Ende auch da wieder beim Geld gelandet sind.

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