Meinung 12.02.2017

Schule und der Rest des Lebens

Mars Attacks!

Niki Glattauer | Schule und der Rest des Lebens

Unlängst erinnerte mich meine Chefin daran, dass ich der Gender-Beauftragte unserer Schule bin. Jetzt muss man dazu sagen, dass eine Schule, in der meine Chefin Chefin ist, ein Gender-Beauftragter ungefähr so notwendig ist wie ein Zebrastreifen in der Wüste, und metaphorisch gesprochen ist bei uns eher das Männer-er in Gefahr als das Binnen-I. Trotzdem habe ich in meiner Klasse sofort ein paar Aufwärmübungen gemacht. Ich schrieb den Satz: "Jonas geht ins Lehrerzimmer!" auf die Tafel, dann fragte ich: "Was ist daran falsch, wenn man ordentlich gendert?"- Niemand? Dir fällt dazu auch nichts ein, Rukiye?- Doch, das stumme H. Gehören bei Lehrer nicht zwei ee?Nicht, dass Rukiye rein inhaltlich nicht eh richtig gelegen wäre (aktuell gefühlter Zustand in der Branche: leer und immer leerer… ;-), aber von ihr hätte ich mir gendermäßig mehr erwartet.

So gab mir Rukiye vorige Woche als Deutung einer Bildergeschichte zum Thema Kopftuch Folgendes zu lesen: "Diese Geschichte hat mir als Frau den Mund aufgemacht und ich habe Wörter rausgebracht. Ich habe mich dabei wohl gefühlt. Am liebsten will ich es schreien: Diese Menscheit ist nicht mehr normal !" (Und ob Rukiye jetzt für oder gegen ein Kopftuchverbot ist, verrate ich nächstes Mal:-) . Apropos lesen. Ob ich sagen könne, was ich außer Tageszeitungen sonst noch regelmäßig lese, wollte Kollegin Maurer wissen. Kann ich: "Biber", "gehört", "Die Furche", "Falter", "Ursache & Wirkung","Alle Welt" sowie die Mitteilungshefte meiner Kinder.Was "Alle Welt" ist, werden Sie vielleicht nicht wissen. Ist das Magazin der "Päpstlichen Missionswerke Österreich" und zeigt regelmäßig sehr eindrucksvoll, dass nicht diejenigen die besten Christen sind, die am medienwirksamsten das Kreuz in die Kamera halten, oder jene, die behaupten, sie handelten im Auftrag des lieben Gottes, wenn sie Andersdenkende beleidigen oder Menschen aus bestimmten Ländern die Einreise verweigern, während sie ihr Marsmännchen streicheln. Ist nämlich kein totes Eichhörnchen, muss, wenn du mich fragst, ein lebendiges Marsmännchen sein, gelb halt.

( kurier.at , ng ) Erstellt am 12.02.2017