Meinung
04.11.2017

Revierkämpfe

In Neu-Delhi zerfledern Affen den Beamten die Akten.

In Neu-Delhi zerfledern Affen den Beamten die Akten.

Mag. Simone Hoepke | über Revierkämpfe

Der Hühnerstall von meinem Cousin ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Nur noch eine alte Henne sitzt drin. Verschmäht vom Fuchs, der alle anderen samt Hahn geholt hat. 13 Hühner an der Zahl, teils vergraben, weil er sie gar nicht alle nach Hause schleppen konnte. Nur die Uralthenne wollte er seiner Familie nicht zumuten, die hat er großzügigerweise uns übrig gelassen.

Ich habe ja Verständnis für den Beutezug des Fuchses. Der Hühnerstall ist aus seiner Sicht die einzige Hendlstation weit und breit – da muss er zuschlagen. Zumal sein Revier schrumpft, weil immer mehr Menschen quietschbunte Häuser in sein Revier klatschen. Ein Problem, mit dem unser Fuchs nicht allein dasteht. Selbst Krähen tendieren schon zur Landflucht. Städtische Mülltonnen können als Labestation offenbar problemlos mit totgespritzten Feldern mithalten. Streiten Mensch und Tier, nennen das Experten "Human-Wildlife-Conflict". Den gibt es nicht nur an Land.

Die Weißen Haie vor den Küsten Australiens haben lange zugeschaut, wie der Mensch ihre Vorratskammer mit Riesenschiffen und Treibnetzen leergefischt hat. Jetzt holen sie mit knurrendem Magen zum Gegenschlag aus. Die Hai-Attacken auf Menschen haben sich verzigfacht, schlicht, weil die Tiere nicht mehr genug Futter finden.

In Neu-Delhi sind dagegen die Affen los. Im Regierungsviertel zerfledern sie den Beamten Akten, im Restaurant fladern sie ihnen die Kichererbsen vom Teller, im Stiegenhaus erschrecken sie Passanten. Das kann sich der Mensch nicht gefallen lassen. Er schlägt zurück. Die Stadtverwaltung hat Männer engagiert, die kreischend wie Languren-Affen aus den Büschen springen. Nicht, weil Halloween war, sondern weil das die lästigen, kleineren Rhesus-Affen in die Flucht schlagen sollte.

Währenddessen macht eine Rhesus-Dame aus Neu-Delhi Schlagzeilen. Sie hat einen verstoßen Hundewelpen adoptiert, den sie jetzt durch die Straßen trägt, laust und füttert. Was sie von aus den Büschen springenden Menschen hält, ist nicht überliefert.