Reine Symptombehandlung
Man muss kein Mediziner sein, um zu wissen: Wer eine ernste Erkrankung wirksam behandeln will, muss deren Ursache bekämpfen. Allein die Symptome mit Schmerzmitteln, Wadenwickeln und dergleichen zu bekämpfen, reicht in den seltensten Fällen aus.
Auf oberflächliche Symptombekämpfung beschränkt sich fatalerweise auch die Gesundheitspolitik nur allzu oft. Aktuelles Beispiel: die von Gesundheitsministerin Korinna Schumann erneut angefachte Debatte um die Wahlärzte. Geht es nach ihr, sollen die im Vergleich zu Kassenleistungen mitunter exorbitant hohen Honorare gedeckelt werden, damit sich mehr Menschen die Behandlung bei diesen Privatärzten leisten können.
Davon abgesehen, dass eine solche Deckelung wohl schwer umsetzbar wäre, bleibt das eigentliche Problem ungelöst – ein Kassenärzte-System, das in den vergangenen Jahren nicht mit seinen Herausforderungen gewachsen ist: die steigende Bevölkerungszahl, der immer größere Anteil an älteren und chronisch kranken Patienten und die Vorgabe, möglichst viele Behandlungen aus den Spitälern in den niedergelassenen Bereich zu verlagern.
Doch statt eine Kassenordination zu betreiben, wollen immer mehr Mediziner Wahlarzt sein. Ein etwas irreführender Begriff. Bleibt doch für den Patienten oft bloß die Wahl zwischen unzumutbar langen Wartezeiten auf einen Kassenarzt-Termin und enorm hohen Kosten, die aus eigener Tasche zu begleichen sind.
Anstatt an den Wahlarzt-Honoraren herumzuschrauben, sollten sich die Verantwortlichen lieber überlegen, warum es für Ärzte so unattraktiv ist, als Kassenarzt zu arbeiten. Gefragt sind Honorierungsmodelle, die es ermöglichen, sich ausreichend Zeit für die einzelnen Patienten zu nehmen, aber auch flexiblere Arbeitszeit-Modelle, die vor allem der wachsenden Zahl an Ärztinnen entgegenkommen.
Immerhin: In der Allgemeinmedizin gibt es mit den Primärversorgungseinheiten schon erste Ansätze in die richtige Richtung. Düster sieht es hingegen noch bei der fachärztlichen Versorgung auf Kassenkosten aus. Was jeder bestätigen kann, der beispielsweise für eine simple orthopädische Behandlung einen Termin benötigt.
All das soll, so versichern die Koalitionsparteien, in der Reformpartnerschaft behandelt werden, in der der Umbau des Gesundheitssystems ein zentrales Vorhaben ist. Wie schon bei vielen Reformversuchen zuvor deutet wenig auf einen großen Wurf hin, zu unterschiedlich sind die Interessen der Beteiligten. Noch hat die Regierung ein paar Monate Zeit, um zu beweisen, dass diesmal am Ende mehr herauskommt als der nächste gesundheitspolitische Wadenwickel. Es wäre nicht weniger als eine historische Leistung.
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