Meinung
09/27/2018

Rattenfänger sind bitterernst zu nehmen

Die Sündenböcke von früher, "die Juden", sind auch heute wieder Angriffsziele, noch mehr sind es heute aber "die Ausländer".

von Ulrike Botzenhart

Neonazis marschieren wieder durch deutsche Straßen, jagen und verprügeln Menschen, die nicht „deutsch“ aussehen oder Juden sind. Bisher unauffällige, scheinbar friedliche Menschen ziehen mit durch die Straßen, lassen sich durch einzelne Gewalttaten von Asylwerbern radikalisieren und stoßen sich offenbar nicht an den Nazi-Gesängen und Parolen der Anführer.

Rattenfänger haben wieder leichtes Spiel. Die Sündenböcke von früher, „die Juden“, sind auch heute wieder Angriffsziele, noch mehr sind es heute aber „die Ausländer“.

Und noch eine nach Jahrzehnten der Demokratie als überwunden geglaubte Parole der Nazi-Propaganda erlebt ein gefährliches Revival: „die Lügenpresse“. Von Anhängern der Pegida und der mittlerweile im Bundestag vertretenen AfD wurde die Hetze gegen Medien längst aufgenommen. Offen wird in den sogenannten sozialen Medien – in denen sich Vertreter aller radikalen Richtungen tummeln und sich jede ungeprüfte Lüge rasend schnell verbreitet – mittlerweile mit Gewaltaufrufen gegen Journalisten gespielt.

All das ist bitterernst – und kann auch in Österreich passieren. Polizei, Militär, Geheimdienste, politische Verantwortliche und Medien dieses Landes müssen sich vernetzen, Augen und Ohren offen halten und rasch reagieren, wenn Linksradikale wie Rechtsradikale, Antisemiten wie religiöse Extremisten oder Terroristen unser Land ins Visier nehmen.

Wir sind längst keine Insel der Seligen mehr. Durch Internet und das reale und virtuelle Bewegen in „soziale Blasen“ ist die Gefahr der Unterwanderung unserer Gesellschaft von innen wie außen extrem gewachsen. Was wir zur Abwehr dieser hybriden Bedrohung brauchen? Kritisches, eigenständiges Denken, Wissen um die Geschichte und Verstehen der Gegenwart; Erkennen der Methoden der Propaganda und Manipulation jedweder Art und: Zivilcourage. Das zu vermitteln und zu fördern, zählt absolut zu den Aufgaben der Demokratie – und unserer Schulen. Dass die Lehrer und Lehrerinnen dafür die notwendigen Ressourcen bekommen müssen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Alles andere ist grob fahrlässig.

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