Ein seltsam provinzielles Interview
Außenministerin Beate Mein-Reisinger in den ORF-Sommergesprächen
Man stelle sich vor: In einem 50 Minuten langen Interview wird dem Bildungsminister keine Frage zur Bildungspolitik gestellt, der Verteidigungsministerin keine zu Österreichs Sicherheit und dem Landwirtschaftsminister keine zu den Förderungen für Landwirte. Es wäre komplett daneben. Genauso aber geschah es Montagabend beim „Sommergespräch“ des ORF mit Beate Meinl-Reisinger.
Da erhielt die amtierende Außenministerin keine einzige Frage zu all den Problemen, weltweiten Krisen und Kriegen, deren Folgewirkungen auch bis ins hinterste Dorf in Österreich reichen: Hohe Energiepreise, die steigenden Kosten für Benzin und Diesel, Inflation, Migrationsströme, Zölle, Sanktionen, europäische Außengrenzen – all diese Verwerfungen (und noch viele mehr) fallen ins Arbeitsgebiet der Chefdiplomatin.
Es hätte diesem Gespräch gutgetan, neben den brav abgehandelten innenpolitischen Problemlagen auch den Blick ein wenig nach außen zu heben. Und einige Antworten zu bekommen:
Wie es Österreich etwa mit der israelischen Regierung hält. Welchen denkbaren Ausweg aus dem Krieg Meinl-Reisinger, von der FPÖ als „NATO-Beate“ beschimpft, für die Ukraine sieht. Außenpolitische Fragen mögen kein Quotenbringer sein – aber sie schlichtweg zu vergessen, wenn die Außenministerin gegenübersitzt, mutet doch schmerzhaft provinziell an.
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