Meinung 05.12.2011

Prolog: Rotterdam, 8,9 km.

Man gestatte mir einen kurzen Ausbruch der Freude: Fabiaaaaan!!!!

So, jetzt geht's wieder. Also, diese Tour ist nun offiziell gestartet, und der große Favorit für den Prolog hat, zwar unrasiert, aber dafür im golddekorierten Weltmeister- und Olympiasiegerhelm auf Ansage gewonnen. 53,4 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit sind auch nix zum Anspucken. Ich glaube, er hät das auch mit nicht-umgedrehter Rückennummer geschafft (die 13 wird traditionellerweise verkehrt getragen). Jetzt wird zwar noch sein Rad auf eventuelle Motorspuren durchleuchtet (die UCI hat sich ja ein paar Röntgenkastln gekauft zu diesem Behufe), aber derweil hat er mal das gelbe Trikot. Bin schon gespannt, ob Fabian Cancellara wieder mal so ein Bravourstück liefert wie 2007 und im Gelben den versammelten Sprinterzügen am letzten Kilometer auf und davon fährt (seither bin ich unterwürfigster Fan).

So insgesamt sind Prologe und Zeitfahren ja jetzt nicht so die spannende Angelegenheit (wenn sich grad kein Menchov auf die regennasse Straße legt), vor allem nicht, wenn die beste Zeit so lang hält. Tony Martin wollte ja angeblich noch ein wenig Fussball schauen und startete deswegen früher, nur warum er dann so schnell gefahren ist? Weil so musste er blöd am Hot Seat unter den wachen Augen der Doping-Chaperones rumsitzen, bis ihn Fabian endlich erlöst hat. Seine Freundin durfte ihn zwar unterstützen, aber auch nicht ohne Polo mit Team-Werbung drauf. Und weil wir grad beim Thema sind, zählte man die Präsenz in den Werbespots, ist Alberto Favorit mit geschätzter 10facher Überlegenheit. Andy Schleck kommt nur einmal vor, und das auch nur gemeinsam mit El Pistolero.

Ach ja, und Doping gab's ja auch schon: Musste doch glatt das Cervelo Test Team einen daheimlassen, weil der sich seine Hämorrhoiden (wegen diesem Wort ist damals die automatische Rechtschreibkorrektur erfunden worden) eingeschmiert hat mit einer Creme, die Ephedrin enthält. Hat er nicht gewusst, hat er auch den Teamarzt nicht gefragt, könnte positiven Test machen, Pech.

Was wieder zur Sprache kam, und das könnte wirklich noch ein Problem werden: In meinem Lieblingsteam geht's ja im Moment nicht gerade harmonisch zu. Bjarne Riis sucht einen neuen Sponsor, sein DS wird abtrünnig und will ein eigenes Team gründen und hat auch schon einen potentiellen Geldgeber und außerdem die Schlecks am Haken. Andrerseits nix gegen die Seifenopern-Zerwürfnisse im Astana-Team voriges Jahr, und Contador hat trotzdem gewonnen.

Morgen jedenfalls wird ein harter Tag: 224 km, Flachetappe, von vorn bis hinten auf Eurosport übertragen. Ein langer Fernsehtag steht mir bevor! Und dann noch mit einer eher vorhersehbaren Choreographie: Hektischer Start, Ausreissergruppe, eingeholt 5 km vorm Ziel, Cavendish rempelt alle Gegner aus dem Weg und gewinnt.

Erstellt am 05.12.2011