++ THEMENBILD ++ CORONA: WEITERE LOCKERUNGEN DER CORONA-MASSNAHMEN / SITUATION IN VELDEN

© APA/BARBARA GINDL / BARBARA GINDL

Pro und Contra
06/16/2021

Wirte kontrollieren 3G: Ist das sinnvoll?

Wer in die Gastro will, muss geimpft, getestet oder genesen sein. Können die Lokale das prüfen?

PRO

"Lasst uns aufsperren! Wir kümmern uns um den Rest!“ Österreichs Gastronomen haben zur Beendigung des branchenspezifischen Lockdowns für Wirtshaus, Bar und Co. ein klares Sicherheitskonzept in Aussicht gestellt: Zutritt zu Lokalen bekommt nur, wer eines der 3 Gs (getestet, geimpft oder genesen) vorweisen kann. Kontrolliert werde von den Gastronomen vor Ort. Was kann bei diesem Konzept schon schiefgehen ...?

Am 19. Mai wurde geöffnet und einen Monat später wissen wir: Kontrolle kann man das nicht unbedingt nennen, wenn man verschwörerisch mit „Hab schon g’sehn“ vom Kellner begrüßt wird. Wer den mitgebrachten Zettel vorweist, darf sich üblicherweise darauf verlassen, dass das Vorhandensein eines Dokumentes in DIN A4, auf dem irgendwo das Wort „Negativ“ zu lesen ist, ausreicht, um nicht weiter behelligt zu werden.

Ausweis gefällig? Nicht in der Gastro, hier wird Bewirtung zelebriert und nicht Kontrolle. Wir sind ja nicht an der Grenze, bitteschön.

Wie fahrlässig die Branche mit dem mittlerweile raren Gut geöffneter Lokale umgeht, ist erstaunlich: Wenn die Inzidenzen wieder nach oben rasen, werden sie die ersten sein, die die Zeche bezahlen. Einmal mehr.

Noch dazu profitieren wir alle von der Jahreszeit: Im Gastgarten zu sitzen, empfindet wahrscheinlich auch der größte Hypochonder nicht als überbordendes Corona-Risiko. Aber können wir mit dieser Einstellung in den Herbst gehen? Kaum vorstellbar.

Dazu kommt, dass die Schutzmaßnahme FFP2-Maske sukzessive zurückgedrängt wird, was in der Gastronomie natürlich Sinn macht. Umso stärker sollte dafür die Sicherheit auf allen anderen verfügbaren Ebenen gewährleistet werden. Und die beginnen alle mit G. Außer einer: D. Wie Daheimbleiben.

Philipp Wilhelmer leitet die Debatte im KURIER.

CONTRA

Durch die Gastro-Landschaft geht ein  Riss, der Wirtshausgeher in zwei Gruppen von Beleidigten teilt. Die einen schmollen, weil der Wirt sich offensichtlich nicht darum schert, ob sie getestet, genesen oder geimpft sind. Andere fühlen sich unnötig überwacht, wenn sie im Gastgarten aufgefordert werden, ihre Kontaktdaten bekannt zu geben – Stichwort Contact Tracing.

Mittendrin der Wirt. Ebenfalls beleidigt.

Auf jene Politiker, die vollmundig  versprochen haben, dass die Kontrolle der 3 Gs kinderleicht wird. Dank einer einfachen technischen Lösung, bekannt  als Grüner Pass. Selbiger ist allerdings  noch nicht bei den Gästen angekommen. Dafür laufen die Stundungen der Sozialversicherungsbeiträge für die Gastro aus, die ersten Raten für Überbrückungskredite werden fällig. Und das Geschäft läuft vielerorts noch eher zäh. Internationale Touristen sind so selten wie große Feste. Und was in der aktuellen Debatte um die 3 Gs fast untergeht, sind die Auflagen, unter denen die Branche wieder hochgefahren wurde: Weniger Tische, um die Mindestabstände einzuhalten. Weniger Gäste pro Tisch. Frühere Sperrstunde.  Zettelwirtschaft. Alles Maßnahmen, die nicht der Gewinnmaximierung dienen.

Immer mit dem Finger auf „den Wirt“ zu zeigen, ist billig. Die Kontrolle der 3 Gs  in der Gastronomie war von Anfang an ein typisch österreichische Lösung.  Dass sie dementsprechend umgesetzt wurde, wundert bestenfalls Touristen.  Was der  Grüne Pass ändert, bleibt (auf unbestimmte Zeit) abzuwarten.

Die meisten  Ansteckungen passieren übrigens im privaten Bereich. An das sollten alle Beteiligten und Beleidigten bei der nächsten Grillfeier im Freundes- und Familienkreis denken. Genauso wie an die 3 Gs.

Simone Hoepke ist stellvertretende Ressortleiterin Wirtschaft.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.