© Kurier/Jeff Mangione

Pro und Contra
04/14/2021

Verschandeln Windräder die Umwelt?

Bis 2030 soll aller Strom aus erneuerbarer Energie stammen – vor allem aus Windkraft. Die ist umstritten.

PRO

Windräder sind eine (von vielen) Möglichkeiten, den Anteil fossiler Energiequellen an unserem immer größer werdenden Energiehaushalt zu reduzieren. Das ist schön.

Umweltfreundlich sind Windräder nicht!

Denn Umwelt und Natur definieren sich nicht nur über den Kampf gegen den Klimawandel, sondern auch über Parameter wie Optik, Unverfälschtheit, Lebensraum, Rückzugsgebiet. Und komme keiner mit dem Totschlagargument, von der Unverfälschtheit haben wir nichts mehr, wenn das Klima kippt – das ist Unfug.

Windräder mit bis zu 250 Meter Höhe sind keine Primeln in der Landschaft, Windräder sind per se hässlich. Fürs Auge des Menschen und für den Lebensraum vieler Tiere. Für jeden Ziesel werden ganze Wohnbauvorhaben gestoppt, aber Windräder dürfen ganze Populationen an Tieren vertreiben?

Nun liegt Schönheit der Natur im Auge des Betrachters. Und das Floriani-Prinzip („Heiliger Florian, zünd’ das Haus vom Nachbarn an“) ist natürlich ein schlechter Ratgeber bei der Abwehr hässlicher Windräder. Aber es gibt Gegenden, wo sie Platz haben, und solche, wo sie definitiv nicht hingehören. Man zerstört auch nicht die Krimmler Wasserfälle mit einem Kraftwerk.

Die Windkraftplanung in Österreich folgt oft dem Prinzip: Verarmter Adeliger verpachtet Grund an Windparkbetreiber und kriegt eine Förderung; der zuständige Bürgermeister bekommt auch eine Förderung und freut sich über einen halben Kindergarten und eine ganze Kaffeemaschine fürs Gemeindeamt; und der Windparkbetreiber kassiert Förderung für jedes Rad – egal wo es steht.

Ein Rad auf jedem Berg und in jedem Wald, Hauptsach’, es fließt Geld – das ist kein Konzept. Umweltfreundlich ist es, siehe oben, schon gar nicht.

Andreas Schwarz Der Autor ist Ressortleiter Außenpolitik und Kolumnist.

CONTRA

Sogar Mountainbikes sind  strombetrieben, Roller (ehemals Tret-)  ohne E-Antrieb nur mehr selten zu sehen, Smartwatches brummen. Die Kryptowährung  Bitcoin verschlingt aktuell 119 Terawattstunden Strom pro Jahr, das ist mehr als die gesamten Niederlande. Was so alles elektrische Energie braucht. Mehr und mehr Autos etwa. Und alles soll – zu Recht –  öko sein, -neutral. Wie geht sich das aus?

Windkraft – mit all ihren Problemen – ist einer der Bausteine der  Energiewende. Die Windräder sind ein Symbol der Ökologisierung – und das ist schön. Es ist beruhigend, wie sie sich drehen und dabei Strom erzeugen. Kraftwerke wie auf der Parndorfer Platte wirken imposant. Ob Menschen etwas ästhetisch finden, kann von der Überzeugung abhängen. 

Früher, Ende des 19. Jahrhunderts,  standen rauchende Schlote für Industrialisierung, für Fortschritt. Das hielt lange an.  In der Nachkriegszeit waren es auch die breiten  Straßen, für Autos – Zeichen des Wohlstandes für alle –  gebaut.

Die Schornsteine wurden zum Symbol für Luftverschmutzung. Demonstranten kaperten sie und brachten Transparente für mehr Umweltbewusstsein an.  Nach und nach fordern Fußgänger Platz ein.

Ja, die unumgängliche Energiewende wird die Landschaft tief greifend verändern. Nicht nur Windräder, auch Sonnenkraftwerke werden neue Ausblicke bieten.  Fest steht, dass Kriterien in ihre Planung  miteinbezogen werden müssen: soziale, ökologische, ästhetische und wirtschaftliche. Es dürfe zu keinem Verlust an wertvollen Lebensräumen und zur  Beeinträchtigung gefährdeter Arten kommen, erklärte der WWF.

Klar ist aber auch: Menschen verbrauchen immer mehr Strom. Was ist die Alternative zu  erneuerbaren Energien? Atomkraft? Die Windräder sollen sich drehen. Und das ist schön.

Katharina Salzer ist stv. Ressortleiterin Sonntag.

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