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Pro und Contra
08/04/2021

Sollen Schüler in der Schule geimpft werden?

Pandemie im Herbst. Wie sollen die Schulen mit dem Impfen umgehen? Wie viel Druck ist zulässig?

PRO

Schulbeginn steht vor der Tür – und damit eine Debatte, die wohl Emotionen erzeugen wird: Sollen Kinder ab 12 geimpft werden? Welche Rolle soll die Schule dabei spielen?

Die Antwort ist naheliegend: Die Schulen sollten anhand dieses Themas mit den Schülern einen rationalen Zugang zur Wissenschaft trainieren. Denn es ist ja paradox: Ständig heißt es, wir leben in einer Wissensgesellschaft, und gleichzeitig greift die Irrationalität in Teilen der Erwachsenenwelt erschreckend um sich. Österreich war früher einmal ein Land der Forscher und Erfinder, der Techniker und Naturwissenschafter, insbesondere auch der Mediziner. Dieses Selbstverständnis ist offenkundig zum Teil verschüttet worden.

Eine Folge ist, dass bis zu einem Drittel der Bevölkerung lieber ein uneinschätzbares Krankheitsrisiko als ein minimales Impfrisiko in Kauf nimmt. Früher wurden die Kinder in den Schulen routinemäßig gegen alles Mögliche geimpft, ohne dass jemand dahinter eine Verschwörung finsterer Mächte ausmachte. Weil die Schüler beim Impfen selbst betroffen sind, erhöht das sicher ihre Empfänglichkeit für einen – zugegeben – schwierigen Lernstoff: Wie nähere ich mich komplexen wissenschaftlichen Erkenntnissen? Wie informiere ich mich richtig? Was kennzeichnet glaubwürdige Quellen? Wie erkenne ich (im Internet) Scharlatanerie?

Hat man sich einmal darauf verständigt, dass Impfen eine rationale Entscheidung ist, braucht man nicht mehr über Nebensächlichkeiten wie den Impfort zu streiten. Und auch nicht darüber, ob es ein „Privileg“ ist, als Geimpfte nicht mehr Maske tragen zu müssen. Keine Maske zu tragen, ist, bitte, normal. Und wer sich gegen die Prävention Impfung entscheidet, dem muss klar sein, dass er/sie sich einer Ersatz-Prävention wie Maske oder Testen unterziehen muss.

Daniela Kittner ist Ressortleiterin Innenpolitik.

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CONTRA

Sie folgen inzwischen schneller aufeinander als die Varianten des Coronavirus: Die Heilsversprechen und Schreckgespenster, die auch die Aufgeregtheit um die Pandemie am Köcheln halten. Nun sind also die höheren Schulen dran, die uns ab Herbst  als Virusbrutstätten in die nächste Welle katapultieren sollen. Und weil wir uns in dieser Pandemie selbst gerne überholen und die Wissenschaft – die einfach nicht so schnell Ergebnisse liefern kann – gleich dazu, sollen jetzt Kinder und Jugendliche ab 12 im Eiltempo geimpft werden.

Was man damit erreichen will, folgt simplem Wunschdenken: Die Infektionsrate bremsen. Ob man das tatsächlich kann, ist ungewiss. Schließlich macht ja Delta – und jede weitere Virusvariante umso mehr –  auch Geimpfte zu Überträgern. Schwer krank werden Kinder – so viel wissen wir mittlerweile – nur in Ausnahmefällen. Wer seinen Nachwuchs gegen diese geringe Gefahr schützen möchte, kann das gerne tun.

Die Impfkampagne jetzt mit Nachdruck in die Schulen zu bringen, macht jenen Schaden nur noch größer, der ohnehin zu den schlimmsten und viel zu gerne beiseite geschobenen Auswirkungen der Pandemie zählt: Den für unser Schulsystem und damit für die Ausbildung der nächsten Generation. Was wir heute – im Gegensatz zu vielen vagen medizinischen Erkenntnissen – genau kennen, sind die dramatisch gestiegenen Raten von psychischen und physischen Störungen, die die Pandemie schon verursacht hat.

Wir sollten das Semester endlich wieder in schulischer Normalität beginnen, statt mit Klassen, die plötzlich in Geimpfte und Nicht-Geimpfte, in Maskenträger und Nicht-Maskenträger, in Eingeschlossene und Ausgeschlossene gespalten werden. Der Schaden könnte viele junge Menschen viel länger belasten als eine Coronavirus-Infektion.

Konrad Kramar ist Redakteur der Redaktion Außenpolitik.

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