© Prada

Meinung Pro und Contra
06/30/2021

Männer in kurzen Hosen – kann das gut gehen?

Prada machte es vor: Das Männerbein ist wieder in voller Pracht da

PRO

Den Traum vom Fußball-Europameister musste Österreich bereits begraben, im Nörgeln reicht man uns jedoch nicht so schnell das Wasser. Geraunzt wurde heuer – nebst Corona versteht sich – schon viel über den kältesten Frühling seit 34 Jahren. Mindestens genauso schrecklich finden wir dann die Hitzewelle der vergangenen Tage. In Sachen Mode können wir es einander irgendwie auch nicht recht machen. Wir Frauen haben es da auf den ersten Blick besonders schwer: Sind Trägertops, also nackte Schultern, im Büro ok? Darf ich als kurvige Frau auch Shorts tragen?

Dass vor allem die jüngere Generation von Moderegeln von anno dazumal nichts hören will, bekam jüngst Lena Hoschek zu spüren. Die Austro-Designerin sagte in einem Interview, dass es nur wenige Frauen gebe, die „knackig genug“ für eine Radlerhose seien. In den sozialen Medien folgte ein Shitstorm im Zeichen von Body Positivity.

Wirklich leichter haben es die Männer aber nicht. Bei ihnen dreht sich neben dem ewigen Endgegner aller Stilberater, der Trekkingsandale, Jahr für Jahr alles um die Frage: Kurze Hose im Office – ja oder nein? In Berufen mit Kundenkontakt lassen viele Chefs nur Letzteres gelten. In allen anderen Branchen wird oft nach dem Motto „Ich seh’s nicht gern, aber heimgeschickt wirst deshalb nicht“ vorgegangen. Warum eigentlich? Wir Frauen entsprechen in Bermudas und Kleidern, die knapp über dem Knie enden, dem Mode-Knigge. Endet der Stoff bei Männern weit oberhalb des Knöchels, ist es mit der Akzeptanz schon wieder vorbei.

Dabei haben sich auch die Wadln des anderen Geschlechts bei Hitze ein wenig Frischluft verdient. Über die fachliche Kompetenz sagt das rein gar nichts aus. Unsere Fußballer machen ihren Job ja auch unten halb ohne richtig gut.

Maria Zelenko ist Mode- und Beauty-Redakteurin im Lebensart-Ressort.

Maria Zelenko

CONTRA

Wie ich gestern dem KURIER entnommen habe, sieht die Fashion-Industrie ein großes Comeback für das männliche, unbekleidete Bein. Schön für Prada, wenn Modelmänner ihre Kleiderstangenmaße in Höschen über den Laufsteg lustwandeln. Ich wäre auch gern so schön.

Die Realität ist aber eine andere: Kurze Hosen sind beim Mann eine Freizeitklamotte, die uns stets bereit macht  für das abendliche Fußballmatch.  Klar, das ist pure Komfortmode, aber die funktioniert im beruflichen Kontext vor allem dann, wenn ich weiß, dass mein Schreibtisch keinen Blickkontakt zur Außenwelt bietet. Und ich mir selbst ehrlich einen Blick im Spiegel zuwerfe und feststelle: Das ist alles so gepflegt, dass ich meinen Kolleginnen und Kollegen  nicht mit optischen Triggern  die Konzentration raube.

Wir  alle sind zurecht dazu angehalten, unsere Körper zu mögen – Männer wie Frauen. Viel zu sehr sind vor allem junge Mädchen einem Leistungsdruck unterworfen, nach dem aktuellen Beauty-Ideal zu geraten. Jeder Millimeter Abweichung kann da zur emotionalen und gesundheitlichen Katastrophe geraten.

Es ist eine der wenigen positiven Begleiterscheinungen von Social Media, dass wir mittlerweile aufrichtig und ehrlich  darüber diskutieren, wie unterschiedlich die Menschen in ihrer Bauart ausfallen und wie toll das ist.

Allerdings geht damit die Einschätzung  einher, in welcher Situation wir welche Vorzüge zur Geltung bringen und welche Nachteile wir kaschiert haben möchten. Freizügigkeit war immer ein schlechter Berater, wenn man nicht gerade einen Stylisten bei der Hand hat, der weiß, was wirklich geht.   
Mein Tipp: Lieber lange Leinenhose. Oder halt für Prada arbeiten. Der schmale Grat dazwischen bleibt den Wagemutigen. Man sei ihnen gnädig.

Philipp Wilhelmer leitet das Debattenressort im KURIER

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