BK KURZ IN ISRAEL: "GRÜNER PASS"

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Pro und Contra
05/05/2021

Ist der Grüne Pass sicher genug?

Geimpft, genesen, getestet ... Die Regierung hat ihre Kriterien für die neue Freiheit vorgelegt. Reichen sie?

PRO

Selten hat man Politiker so viel von Sehnsucht sprechen hören wie dieser Tage. Von Sehnsucht nach Besuchen im Wirtshaus war im Nationalrat die Rede, von Sehnsucht nach Umarmungen, Sehnsucht sogar danach, den favorisierten Fußballklub wieder verlieren zu sehen, wenn man dafür nur ins Stadion gehen kann.

Ja, die Sehnsucht der Österreicher nach Normalität ist groß. Und das Angebot, sie mittels Grünem Pass zu stillen, ist die beste Option, die wir gegenwärtig haben. Und die sicherste.

Die berühmten „seltensten Fälle“ können (und werden) dabei freilich eintreten: Tests können falsch, Menschen trotz Impfung ansteckend oder trotz durchgemachter Erkrankung wieder infizierbar sein. Kurz: Der Grüne Pass bietet keinen hundertprozentigen Schutz, ein gewisses Restrisiko existiert. Die sicherste Variante bliebe, nirgends hinzugehen und auf unbestimmte Zeit alleine zu Hause zu sitzen.

Doch komplette Isolation für wer weiß wie lange, das haben wir gesehen, funktioniert nicht. Gibt es keinen Grünen Pass und bleibt alles zu, finden Treffen privat statt. Und wer lässt sich schon an der Türe das Testergebnis der Gäste oder deren Impfpass zeigen? Ein Viertel der Österreicher lässt sich nicht einmal regelmäßig testen, Infektionen sind also auch so vorprogrammiert.

Nun könnte man den Grünen Pass vielleicht sicherer machen, indem man die potenzielle Fehlerquelle Tests ausschließt, und ihn ausschließlich an eine Impfung knüpft. Dann allerdings würde das Argument der „Impfpflicht durch die Hintertür“ an Substanz gewinnen.

Freilich, das detaillierte Konzept hinter dem Grünen Pass muss doppelt und dreifach durchdacht werden. Doch wenn wir Sicherheit mit der Erfüllung unserer Sehnsüchte verknüpfen wollen, dann ist der Grüne Pass unsere beste Chance.

Elisabeth Hofer ist Redakteurin in der KURIER-Innenpolitik.

CONTRA

Die Party muss endlich  weitergehen: Seit mehr als einem Jahr sitzen Jung und Alt (wobei letztere wenigstens schon die Möglichkeit hatten, sich den Stich setzen zu lassen) daheim. Und sie passen damit auf sich und andere auf.

Letztgültige Sicherheit vor einem schweren, mühevollen Covid-Verlauf oder gar dem Tod gibt es nicht – nur eine kalkulatorische Annäherung an das Risiko Pandemie. Am sichersten ist es, sich vollständig impfen zu lassen: Die Gefahr, sich einen schweren Krankheitsverlauf mit üblen Langzeitfolgen einzufangen, sinkt gegen null. Ein paar Ausnahmen wird es immer geben, aber besser wird es vorerst nicht.

Variante zwei: Mund-Nasen-Schutz von ausreichender Qualität, nicht hundertfach wiederverwendet und entsprechend aufgesetzt. Kein maximaler Schutz, aber im Fall des Falles kann sie Leben retten. Der große Haken: Am Restauranttisch kann man sie nicht tragen.

Variante drei: die Test-Lotterie. Ja, wir haben in Österreich ein sensationelles Angebot an Möglichkeiten, sich Antigen-Tests zu besorgen. Die Ausfallrate ist hier allerdings noch zu hoch.

Wenn selbst mehrfach getestete und als unbedenklich beschiedene Menschen nach wiederholt durchgeführten Antigentests dann doch als Virenträger aufscheinen, müssen wir uns eingestehen: Dieses Risiko können wir nicht schultern. Wenn dann bitte den PCR-Standard. Und das nach Möglichkeit nicht zu Hause, wo man nebenher zusammenräumt oder die Kinder aus dem Bett bugsiert. 

Es ist zu verstehen, dass wir alle wieder rauswollen, aber fertig geimpfte Personen jenen gleichzusetzen, die sich zu Hause vor der Handykamera einem Gurgeltest unterziehen, ist fahrlässig. Wir brauchen zur Öffnung strenge Standards. Alles andere ist Roulette.

Philipp Wilhelmer leitet die Debatte im KURIER.

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