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Meinung Pro und Contra
12/21/2021

Gibt es das Christkind?

Alle Jahre wieder: Die Frage aller Fragen. Der KURIER hat sie von zwei Seiten beleuchtet.

Die Glocke klingelt, die Kinderaugen leuchten: Die Magie des Weihnachtsfestes zieht alle in den Bann. Je älter man wird, desto schwerer wiegt die Frage: Gibt es das Christkind wirklich? Es ist jedenfalls nicht einfach, es einfach wegzudiskutieren, das zeigt folgendes Pro und Contra von Christoph Schwarz und Elisabeth Holzer:

PRO

Das ganze Jahr √ľber steht das Gl√∂ckchen im B√ľcherregal. Es ist alt ‚Äď wie alt, das wei√ü niemand in der Familie mehr genau ‚Äď, aus Bronze, und dort, wo bei normalen Glocken der Griff ist, findet sich die Silhouette eines Engels. Das Gl√∂ckchen l√§utet nur ein Mal im Jahr.

Wenn sein Ton erklingt, macht sich wohlige Aufregung in der Familie breit. Dann n√§mlich war das Christkind da. Das war so, als Ihr Autor ein Kind war. Und es ist heute noch so. Am Gef√ľhl, das das L√§uten in der Magengegend verursacht, hat sich nichts ge√§ndert. Und beim Blick auf den Christbaum sind sich dann alle einig. Ja, da war das Christkind am Werk.

Bevor Sie widersprechen: Klar, die Geschenke hat die Familie besorgt und eingepackt. Der Baum wurde gemeinschaftlich geschm√ľckt. Doch da ist mehr im Raum. Etwas Friedliches, √úberirdisches, eine Prise Magie. Und die kleinen Erlebnisse, die schon die Vorweihnachtszeit so besonders machen ‚Äď wenn etwa Vater und Tochter beim gemeinsamen Shoppen auf das perfekte Geschenk sto√üen oder der Duft der Kekse, die man urspr√ľnglich gar nicht backen wollte, die Wohnung erf√ľllt ‚Äď verdichten sich jetzt zu diesem einen zauberhaften Moment. Das Ganze ist eben mehr als die Summe seiner Teile.

Sollten Sie noch nicht √ľberzeugt sein, dann erkundigen Sie sich doch rasch in Ihrem Umfeld nach dem Christkind. Sie m√ľssen nur die Richtigen fragen ‚Äď und gut zuh√∂ren. Millionen von Kindern k√∂nnen nicht irren. Sie n√§mlich haben die Lektion verstanden, die uns das Christkind lehrt: Dass wir manchmal an Dinge glauben und vertrauen m√ľssen, auch wenn wir nicht immer alles sehen, messen, verstehen k√∂nnen. An die Familie und Freunde, an unsere eigenen F√§higkeiten, an uns selbst.

Manchmal benötigen derartige Lektionen eine Auffrischung. Etwa, indem das Glöckchen läutet. Dann war nämlich das Christkind da.

Christoph Schwarz leitet das Wien-Ressort des KURIER

Christoph Schwarz

CONTRA

Zuweilen sind  Wahrheiten unangenehm. Etwa jene, dass Vanillekipferl kaum als Di√§tessen durchgehen. Oder diese, dass die letzten Lebkuchenm√§nner nicht einfach so aus der Keksdose entkommen sein k√∂nnen. Sie m√ľssen Fluchthelfer gehabt haben.

Hier geht es aber um diese Wahrheit: Das Christkind? Ein putziges, pausb√§ckiges, engelsgleiches Wesen, das Geschenke bringt? Das w√§re einfach zu sch√∂n, um wahr zu sein. Es  w√ľrde Milliarden von Menschen die Suche nach dem perfekten Pr√§sent f√ľr Eltern, Oma und Opa, Ehepartner, Lebensgef√§hrten, beste Freunde, Arbeitskollegen und freilich vor allem Kinder ersparen. Weil alle genau das bek√§men, wovon sie getr√§umt haben. Weil dann   hallo, das ist ein magisches Wesen!   das Christkind n√§mlich so gut wie alles w√ľsste und alles k√∂nnte.

Also zumindest Hunderten Millionen Kindern  etwas bescheren. Das w√§ren dann schon ein paar Hundert Tonnen an Geschenken, die das Christkind  an einem Abend zu schleppen und auszuliefern h√§tte. Das schafft nicht einmal der Weihnachtsmann, und der hat wenigstens Rentiere und  Schlitten. Deutsche Mathematiker und Physiker haben tats√§chlich einmal berechnet, wie schnell der Weihnachtsmann unterwegs sein m√ľsste, wollte er am Heiligen Abend allen Kindern ein Packerl unter den Baum legen: Pro Sekunde m√ľsste er 1.800 Geschenke ausliefern und und  mit fast zehntausendfacher Schallgeschwindigkeit 325 Millionen Kilometer zur√ľcklegen.

Jetzt lie√üe sich noch argumentieren, die  Gabenbringer machen halbe-halbe. Christkind und Weihnachtsmann arbeiten zusammen und  teilen sich das Ganze auf. L√§cherlich, sagen Sie? Aber nein: Wer ans Christkind glauben will, m√ľsste auch mit Santa Claus sympathisieren der √ľbrigens nicht erst Rot tr√§gt, seit ihn ein Getr√§nkekonzern entdeckt hat.
Elisabeth Holzer ist Chronik-Redakteurin in Graz

Elisabeth Holzer

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