Maskenpflicht im Supermarkt

© Kurier / Gilbert Novy

Pro und Contra
06/23/2021

Gehen die geplanten Lockerungen zu weit?

Derzeit wird sogar laut über das Ende der Maskenpflicht nachgedacht. Geht das zu weit?

PRO

Es war der 5. 6. 2020: Damals fiel die Maskenpflicht u. a. im Handel. Bereits am 21. 7. war sie in Supermärkten, Bank und Post zurück.

Natürlich unterscheidet sich die Situation heuer sehr von der vor einem Jahr. Die Hälfte der Bevölkerung hat zumindest eine Teilimpfung, pro Tag werden 400.000 Tests durchgeführt. Der Sommer bremst das Virus stärker als angenommen. Viele der ab 1. Juli geplanten Lockerungen sind bei den geringen Infektionszahlen absolut gerechtfertigt – etwa der Umstieg auf den Mund-Nasen-Schutz. Dass angesichts der infektiösere Delta-Variante aber etwa in Wien über strengere Zutrittsregeln in der Nachtgastronomie nachgedacht wird (nur für Geimpfte und vielleicht Genese), sollte nicht als übertrieben abgetan werden.

Bestätigen sich Berichte aus Sydney, Australien, könnten bei der Delta-Variante bereits kurze flüchtige Begegnungen zu einer Ansteckung führen. Und bereits der Sommer 2020 zeigte: Der Reiseverkehr ist – aus Virussicht – optimal für die maximale Verbreitung von Varianten.

Sieht man dazu auch die Ausbreitung von Delta in England oder Portugal, dann verwundert es, wenn jetzt schon über noch weitgehendere Schritte wie ein komplettes Ende der Maskenpflicht diskutiert wird. In einer Umfrage der New York Times erklärten 80 Prozent von 723 befragten Epidemiologen im Gegensatz zur Gesundheitsbehörde CDC, dass es auch für vollständig Geimpfte notwendig sein werde, noch ein weiteres Jahr Masken in öffentlichen Innenräumen zu tragen.

Noch haben viele, die sich impfen lassen wollen, keine zwei Teilimpfungen. Vom Ziel einer Herdenimmunität – Geimpfte schützen auch Ungeimpfte – sind wir weit entfernt (s. Seite 5). Und: Wer für etwas mehr Vorsicht eintritt, schadet Handel und Gastro nicht, sondern schützt sie – vor härteren Eingriffen im Winter.

Ernst Mauritz ist stellvertretender Leiter des Lebensart-Ressorts.

CONTRA

Wer sich jetzt aufregt, dass man ab 1. Juli in Geschäften nicht mehr die FFP2-Maske tragen muss, ist tendenziell kein Verkäufer, der den ganzen Tag maskiert an seinem Arbeitsplatz steht. Für Handelsbeschäftigte ist die angekündigte Lockerung (ab nächsten Monat reicht der Mund-Nasen-Schutz) nicht nur an Hitzetagen eine Erleichterung. So wie für Konsumenten, denen die Maskierung bisher ganz generell die Shoppinglaune vermiest hat. 

Noch immer liegen im Handel die Umsätze weit unter dem Vorkrisenniveau.  Man kann davon unbeeindruckt argumentieren, dass die Gesundheit wichtiger ist als die Wirtschaft – und die Öffnungsschritte zu weit gehen. Doch es kann nicht die langfristige Perspektive sein, dass Unternehmen nur mit Hilfe von Steuergeld am Leben gehalten werden. Und damit auch die Arbeitsplätze. Irgendwann muss das Werkl wieder ins Laufen gebracht werden.

Wenn es um die Sinnhaftigkeit von Lockerungen geht, sind die einfachen Lösungen nicht unbedingt die besten. Am Beispiel Landeverbote: Verbietet Österreich Maschinen aus Großbritannien die Landung in  Österreich, fliegen Passagiere nach Bratislava und kommen mit dem Auto über die Grenze. Wichtiger als Landeverbote sind funktionierende Kontrollen der 3G. Auch in der Gastronomie, in der ab 1. Juli die Sperrstunde fällt – womit auch Betreiber der Nachtgastronomie wieder ins Geschäft kommen. Die Alternative zu einem offiziell Party-Sommer wären inoffizielle Feiern – siehe zuletzt am Donaukanal. Und eine Hochzeit im Restaurant ist keineswegs gefährlicher als eine im privaten Garten – Catering vom Wirt im Ort inklusive.

Man darf nicht naiv sein: Die besten Vorschriften nutzen nichts, wenn sie von der Bevölkerung nicht mehr mitgetragen werden.

Simone Hoepke ist stellvertretende Leiterin des Wirtschaft-Ressorts.

 

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