Semi Final Italy vs Spain

© EPA / ANDY RAIN

Pro und Contra
07/06/2021

Ist ein EM-Finale vor 67.500 Zuschauern vertretbar?

Volle Vorsicht versus volle Stadien. Ob man während der Pandemie ein Fanfest feiern darf.

PRO

Die wenigsten haben diese EURO herbeigesehnt. Doch die meisten, die sie verfolgen, sind verzückt von spannenden Partien, von Überraschungsmannschaften oder von den Geschichten, die rund um den Fußball erzählt werden. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mich hat diese Endrunde in den vergangenen Wochen ganz gut abgelenkt vom Frust der Lockdowns, vor wiederkehrenden Corona-Wellen und von der andauernden sozialen Isolation aus dem Vorjahr.

Trotzdem: Ich nehme, wie viele andere, die Corona-Pandemie sehr ernst. Man hält sich monatelang an Regeln, trägt Masken, man nimmt das Testangebot in Anspruch, man geht zur Impfung (sofern man darf). Ich bin doppelt geimpft und teste auch regelmäßig. Hätte ich ein Ticket für das Europameisterschaftsfinale – ich würde es annehmen. Und ich hätte nur bedingt Bauchweh, dieses auch mit 67.499 anderen Fans aus verschiedenen Ländern zu betreten. Geimpft, getestet und wenn möglich mit Maske. Und gegebenenfalls würde ich mich danach in Quarantäne begeben und testen.

Klar, nicht jede und jeder kann das so handhaben. Doch im Endeffekt geht es nicht darum, ob Fans zugelassen werden, sondern wie genau man es mit den Bestimmungen nimmt. Im Wembley Stadion – so hört man – wurde das mit den Tests für den Stadionbesuch bisher nicht so streng überprüft. Das ist ziemlich dumm. Vor allem, weil sich in England die aggressivere Delta-Variante ausbreitet.

Nach dem Vorrunden-Spiel England gegen Schottland im Wembley sind rund 400 Stadionbesucher positiv getestet worden. Ein Vielfaches davon hat sich aber unkontrolliert in Pubs oder auf privaten Feiern angesteckt. Nicht der Stadionbesuch ist das Problem, sondern der lasche Umgang mit Regeln. Wenn man wollte, könnte man ihn ungefährlicher machen.

Karoline Krause-Sandner ist Redakteurin im Ressort Außenpolitik.

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CONTRA

Seit fast eineinhalb  Jahren beschäftigt ein Virus die Welt, beeinflusst natürlich auch das Sportgeschehen nachhaltig. Wie gut, dass eine Fußball-EURO, ausgespielt quer über den Kontinent verstreut, vom europäischen Verband UEFA als Anpfiff zur Rückkehr ins normale Leben deklariert wird. Man verweist darauf, dass kein Zuschauer ohne Armband ins Stadion darf, das er nur mit einem negativen Corona-Testergebnis erhält. Auch Journalisten müssen am Spieltag ein Ergebnis vorlegen, das man sich allerdings auch ohne jegliche Testung aneignen kann.

Einfach den QR-Code auf dem Teststreifen einscannen, auf der Homepage des englischen Gesundheitsministeriums angeben, dass man selbstredend negativ ist – und schon darf man ins Stadion. Der nicht verwendete Test wandert in die Rundablage. Eine ähnliche Augenauswischerei wie sämtliche Formulare, die man im Vorfeld der Einreise nach London ausfüllen, aber an keiner Stelle vorlegen muss. Weder am Flughafen, noch im Hotel, auch nicht im Stadion.

In den Arenen selbst lauert der Cluster vor und nach den Spielen in den Hotels und Pubs. Die wenigsten wollen es sich mit den Gästen verscherzen, indem sie gleich beim Eingang lästig und uncool nach irgendwelchen Tests fragen. Nach dem Spiel Österreichs gegen Italien war die Hotelbar trotz Überfüllung nicht geschlossen, wurde die Sperrstunde situationselastisch nach hinten verschoben, die 1,5 Meter  Abstand schrumpften in der Wahrnehmung der Fußballfans mit dem gleichzeitigen Anstieg des Alkoholspiegels. Wer sich an Regeln halten wollte, konnte dem allgemeinen Gedränge nur mit dem Rückzug aufs Zimmer ausweichen. Das kurze Fazit eines langen Fußballabends: alles wurscht. Ob das in  zwei Monaten ähnlich gesehen wird?

Alexander Strecha ist Sportredakteur und berichtete unter anderem aus Wembley von der EURO.

Alexander Strecha
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