© Kurier / Jeff Mangione

Pro und Contra
03/17/2021

Corona-Pandemie: Brauchen wir eine Impfpflicht?

Eine wesentliche Frage in der Debatte um Corona: Was tun, wenn zu viele impfunwillig sind?

PRO

Die Impfung ist unser Weg da raus. Zumindest dieser eine Punkt dürfte unstrittig sein. Bei einer Herdenimmunität, die sich bei rund 70 Prozent Durchimpfungsrate einstellen soll, sind dann auch alle jene geschützt, die nicht in den Genuss der Impfung kommen können: Schwangere, Kinder unter 18, schwere Allergiker. In diesem Sinne ist die Impfung sowohl Gebot der Vernunft als auch der Solidarität. Nur was, wenn das nicht reicht? Wenn das bessere Argument nicht die schlimmere Befürchtung der Impfskeptiker aussticht? Wenn kleine Nebenwirkungen gegen die verheerenden Schäden der Pandemie aufgerechnet werden?

Kann sich der Staat dann erlauben, über die Köpfe seiner Bürger hinweg eine Impfpflicht einzuführen? Darf ich dazu verdonnert werden, mich piksen zu lassen – oder, pathetischer: auf das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit zu verzichten? Die Antwort frei von jeder Ideologie: Wieso nicht? Es braucht pragmatische Lösungen, die funktionieren – siehe Pocken. Österreich hatte hier bis 1977 eine Impfpflicht – und die Krankheit ist bis heute ausgerottet. Wenn ein Staat uns ein Jahr lang sagen kann, wann wir außer Haus gehen und wie viele Menschen wir mit welchem Abstand treffen dürfen, dann ist der Schritt zum Piksen ohnehin kein großer mehr. Oder, wieder mit Pathos: Ich tausche meine körperliche Unversehrtheit gerne gegen mein Grundrecht auf Freiheit.

Dafür bedarf es lediglich zweier Voraussetzungen: Eine sichere Impfung, die über jeden Zweifel erhaben ist. Umso dramatischer ist die wohl irreparable Rufschädigung, den eine Mischung aus hysterischen Medienberichten und hypervorsichtigen Gesundheitsbehörden in ganz Europa Astra Zeneca zugefügt haben.

Und der Zwang kann nicht das erste Mittel der Wahl sein. Sollte sich im Herbst herausstellen, dass wir die Herdenimmunität auch so schaffen, braucht es keine Impfpflicht, sie muss Ultima Ratio bleiben. Aber das haben wir auch schon gesagt, als es um den ersten Lockdown ging.

Karl Oberascher Der Autor ist Newsdesk-Leiter von KURIER.at

CONTRA

Es gibt Menschen, die  haben eine kritische Einstellung zum Impfen – weil sie sich umfassendst informiert haben und glauben, es zu wissen. Nach einem Jahr Corona-Herrschaft mit sehr vielen Kranken und sehr vielen Toten  ist zwar schwer nachvollziehbar, warum nicht die Krankheit das Problem ist, sondern die Impfung. Trotzdem: Es gibt das Recht, über den eigenen Körper frei zu entscheiden. Und so kann es eben auch sein, dass man für sich wählt, nicht geimpft zu werden. Das soll so sein dürfen, auch wenn das Impfen nicht nur den eigenen Körper tangiert, sondern eine große, gesellschaftliche Dimension hat.

Das hat zur Folge, dass wir in ein paar Monaten zwei Gruppen von Menschen haben werden: die Geimpften und die Nicht-Geimpften. Die  einen werden gegen das Virus weitgehend immun sein,   die anderen: leider nicht. Logisch ist, dass die aktuellen Beschränkungen zur Eindämmung des Virus  dann für jene Leute aufgehoben werden, die pandemisch nicht mehr relevant sind. In Restaurants gehen, mit dem Flugzeug fliegen, Veranstaltungen besuchen, ohne Maske sein: Die Geimpften können dann wieder normale Dinge tun, wie  früher. Eben weil es bei  weniger Risiko gibt – für sie selbst und für andere.

Und die Nicht-Geimpften? Sie müssen mit ihrer Entscheidung leben und auch mit den daraus erwachsenden Konsequenzen. Sich rausnehmen, nicht mitmachen, einen anderen Weg wählen – das kann man machen. Man darf dann allerdings bestimmte Dinge aus Gründen der Sicherheit nicht mehr machen. Das ist   übrigens   nichts Neues. Wer keine Gelbfieber-Impfung hat, darf nicht in Angola einreisen; wer keinen Führerschein hat, darf ein Fahrzeug nicht lenken; wer keinen gültigen Pass hat, darf nicht weit reisen. Die Welt ist voller Regeln – für Geimpfte und Ungeimpfte. 

Sandra Baierl Die Autorin leitet die Ressorts Job & Business, Immo und Mobilität

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