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Meinung Pro und Contra
10/12/2021

Brauchen wir das Plastikpfand?

Flaschen sammeln. Warum es sinnvoll ist, auch für Plastikbehältnisse Geld zu verlangen. Und warum nicht.

Das Plastikpfand rückt auch für Österreich näher - die Quoten sind zu niedrig. Hohe Strafzahlungen der durch die Plastiksteuer der EU würden drohen, argumentieren die einen. Für die Gegner ist klar: Das ist bloß eine Alibihandlung, die nichts bringt.

PRO

Was nichts wert ist, landet unweigerlich auf dem Müll. Und zwar nicht säuberlich getrennt in den blauen, gelben, roten, braunen Tonnen, sondern: Im Restmüll.

Und damit wird es richtig teuer: Die von der EU geplante Plastiksteuer würde Österreich im Jahr 180 Millionen Euro kosten, rechnet das Umweltministerium vor. Auch wenn man der grünen Ressortchefin Leonore Gewessler da eine Agenda unterstellen möchte, kann nicht ignoriert werden, dass Plastik ein Rohstoff ist, der nicht einfach unwiederbringlich weggeschmissen werden darf. Es muss für zumutbar gehalten werden, die leere Limonadenflasche wieder ins Geschäft zurückzubringen.

In Deutschland ist das Plastikflaschenpfand schon lange gang und gäbe. Wie schnell sich eine Gesellschaft daran gewöhnt, eine solche „Einschränkung“ in den Alltag zu integrieren, ist für Besucher vor Ort sehr leicht nachvollziehbar. Versuchen Sie einmal in Berlin eine leere Flasche in den Müllcontainer zu werfen: Sie werden ähnliche Reaktionen ernten wie wenn Sie sich in der Wiener U-Bahn eine anrauchen. Was einen Preis hat, hat auch einen Wert: Niemand würde eine leere Flasche in den Mist werfen, selbst wenn der Weg zur Sammelstelle sich für ein paar Cent nicht lohnt. Nach Straßenpartys finden sich sorgsam um Mistkübel gruppierte Behältnisse, die von sozial schwachen eingesammelt und zurückgebracht werden. Das mag als billige Almosen abgetan werden, zeigt aber, dass man vor dem simplen Wegwerfen zurückschreckt. Wir schmeißen ja auch keine Kupfermünzen weg, so lästig sie uns auch sind.

Anders gesagt: Im Land der Biertrinker Österreich (Jahreskonsum pro Person über 96 Liter im Schnitt) ist der Gedanke absurd, leere Flaschen einfach in den Container zu kippen. Ein paar Plastikbehältnisse sollten verkraftbar sein.

Philipp Wilhelmer leitet die Debatte.

CONTRA

Die Gefahr ist groß, dass man als  ewig Gestriger abgestempelt wird, wenn man nicht über das geplante Pfand auf Einwegplastikflaschen jubelt. Schließlich geht es um Umweltschutz und gegen Selbigen kann kein vernünftig denkender Mensch etwas haben.  Stimmt. Doch die Lösung des Müllproblems ist komplexer als eine Pfandflasche. Das belegen Zahlen der Abfallwirtschaft.

In Österreich kommen jedes Jahr 300.000 Tonnen Kunststoffverpackungen auf den Markt, nicht einmal ein Viertel davon in Form von Getränkeflaschen. Der große Hebel in Sachen Kunststoffrecycling ist also wo anders. Pfand hin oder her – entscheidend ist auch, wo der Joghurtbecher, die Waschmittel-  oder Shampoo-Packung sowie der Gewerbemüll landet. Laut Experten können  über das Einweg-PET bestenfalls   10.000 Tonnen zusätzlicher Plastikmüll eingesammelt werden. Klingt viel, ist relativ. Um die EU-Ziele zu erreichen, muss Österreich die Recyclingquote binnen vier Jahren auf 150.000 Tonnen verdoppeln.  Mit Einweg-Pfand allein unmöglich.

Zynisch könnte man meinen, es geht bei der Plastikflasche um Symbolpolitik. Selbige kann man mit  den großen Brocken Gewerbemüll nicht machen. Und letztlich bleibt das kleine Österreich beim Sammel- und Entsorgungssystem ein einziger bunter Fleckerlteppich.  Was in den Gelben Sack kommt, hängt davon ab, in welchem Bezirk man diesen vor die Haustüre stellt. Wo es keinen gelben Sack gibt, gibt es Sammelcontainer. Landesweit 250.000 Stück. Noch. Ob das nach Einführung des  neuen Pfands so bleibt, ist fraglich. Ob Konsumenten gewillt sind, für die Entsorgung ihrer Waschmittelverpackung weitere Wege auf sich zu nehmen, ebenfalls. Fix ist nur, dass die neuen Rückgabestationen im Handel Geld kosten. Geld, das letztlich der Konsument an der Kasse zahlen wird.
Simone Hoepke  ist stellvertretende Leiterin des Wirtschaftsressorts.

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