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Meinung
06/07/2019

Pro & Contra: Der Ruf nach Umverteilung

Sustala contra Streissler-Führer: Was muss der Sozialstaat leisten, damit Junge und Familien nicht abrutschen?

Lukas Sustala ist Vizedirektor bei Agenda Austria

Es geht nicht immer um Raketenwissenschaft. Und manchmal sollen Studien nicht unbedingt neue Erkenntnisse liefern, sondern Dinge in Erinnerung rufen. So liest sich auch die jüngste Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts zur „Umverteilung durch den Staat in Österreich“. Die Erkenntnisse: Es wird kräftig umverteilt. Jene, die gut verdienen, zahlen signifikant höhere Steuern, jene mit niedrigen Einkommen werden mit Transferleistungen unterstützt. Öffentliche Dienstleistungen, von Kindergärten bis zu  Krankenhäusern, kommen hingegen allen zugute. Die Studie zeigt auch, dass gerade Jüngere und Familien in der Verteilung abgerutscht sind. Das mag insofern wenig überraschen, weil sie im Gegensatz zu den Älteren keine starke Lobby haben.

Die notwendige Anpassung des Pensionssystems an die steigende Lebenserwartung wird hingegen aufgeschoben. Dafür wird über außerplanmäßige Pensionserhöhungen  gerne im Eilverfahren entschieden, selbst wenn an anderer Stelle Mittel fehlen. Die Demografie macht aus den Pensionisten und jenen, die es bald werden möchten, eben  die politische Zielgruppe. Immerhin wird der Familienbonus nun gerade  Familien unterstützen. Es braucht aber mehr: Von besseren Kinderbetreuungsangeboten über die Steuerentlastung des Faktors Arbeit, die den Menschen mehr Vermögensaufbau ermöglicht, bis zu Reformen des Pensionssystems, die es nachhaltiger machen statt Wahlzuckerl zu verteilen. Gut, das regelmäßig in Erinnerung zu rufen.

Agnes Streissler-Führer ist Ökonomin bei der Gpa-djp

Die gute Nachricht: Seit 2000 sind in Österreich die Einkommen kaum ungleicher geworden. Der Hauptgrund liegt wohl darin, dass bei uns, anders als in anderen Ländern, für fast alle unselbstständig Beschäftigte Kollektivverträge gelten und daher die große Mehrheit von den jährlichen Lohnerhöhungen profitiert.

Die nicht so gute Nachricht: Junge Menschen drohen dennoch abgehängt zu werden. Ist dies der Generationenvertrag, der nicht mehr hält? Rauben sichere und gute Pensionen den Jungen die Chancen? Mitnichten. Aus Befunden von WIFO und AMS lässt sich ablesen, dass das Problem junger Menschen ist, den Weg in eine sichere Beschäftigung mit gutem Einkommen zu finden. Unternehmen, insbesondere im Dienstleistungsbereich, sehen junge Menschen als leicht austauschbare Reservearmee: Arbeitsverhältnisse dauern selten länger als ein Jahr, man hantelt sich von einem Praktikum zum nächsten und beginnt im Gehaltsschema immer wieder von vorn.  Einen gewissen Ausgleich schafft der Sozialstaat – in Österreich wird nicht über Steuern und Steuerboni umverteilt, sondern mit Geld- und vor allem Sachleistungen, von denen nicht nur Ärmere, sondern auch der Mittelstand profitiert. Dennoch gilt es, Unternehmen wieder mehr in die Verantwortung zu holen, dass sie Beschäftigten von Anfang an gute Arbeitsbedingungen bieten. Sonst zahlt die Allgemeinheit dafür, wenn sich ein Teil der Wirtschaft billige Arbeitskräfte hält und den Jungen damit die Zukunft nimmt.