Meinung
09.06.2017

Popcorn

Die Packung enthielt gezählte zwölf Stück Popcorn plus eine Minibrezel.

Die Packung enthielt gezählte zwölf Stück Popcorn plus eine Minibrezel.

Mag. Simone Hoepke | über Popcorn

Neulich, an einem sonnigen Sonntag, inmitten eines überfüllten Flughafens: Ich sitze seit drei Stunden flankiert von meinem Handgepäck am Gate, als mir per Lautsprecher mitgeteilt wird, dass ich eine weitere Stunde auf den Abflug warten darf.

Bei solchen Schicksalschlägen bleiben einem nur zwei Optionen: Ins Flughafen-Restaurant watscheln und um den Preis eines Kleinwagens einen Toast samt Salatgarnitur erstehen. Oder einfach sitzen bleiben.

Hab mich für Letzteres entschieden und einen großen Fund in den unendlichen Weiten meiner Handtasche gemacht: Popcorn in einer wiederverschließbaren Packung. Ich wusste gar nicht, dass es das gibt. Noch weniger, wer so was braucht. Ich tippe spontan auf Magermodels. Ich hatte schließlich nicht die XXL-Party-Packung mit, sondern eine schlanke 10-Gramm-Variante. Sie enthielt gezählte zwölf Stück Popcorn plus eine Minibrezel. Also jene Menge, die ich an einem Fernsehabend schon während des Vorspanns verputze oder am Ende des Films als Anstandsrest in der Schüssel lasse.

Das entspricht nicht dem Zeitgeist, lerne ich aus Katalogen von Einrichtungshäusern. In deren Wohnzimmern liegt niemand faul vor dem Bildschirm und schaufelt beim sonntäglichen "Tatort" Popcorn in sich hinein. Nein, es wird bei Partys an Selleriestangen geknabbert und mit vermutlich linksdrehendem Wasser gefeiert. Gesundheitsapostel machen nicht einmal vor Ikea-Katalogen halt. In Barcelona sind sie auch angekommen. Die Katalanen sind ganz stolz, dass sie seit Mai von Touristen wie Einheimischen eine Zuckersteuer auf Limonaden kassieren. Das haben sie sich nicht selbst ausgedacht, sondern von den Finnen, Franzosen, Ungarn oder Mexikanern abgeschaut. Die meinten auch, dass ihre Bevölkerung mit einer zu barocken Figur daherkommt und eine Steuer sie fitter macht – oder zumindest das Staatsbudget.

Man könnte weniger essen und trinken. Da fällt mir das Tischgebet ein, das ein Pfarrer in einem Nobelrestaurant gemurmelt hat: "Gott segne dieses Bissl in dieser großen Schüssel."