Meinung
02.10.2017

Plädoyer eines Herbstkindes

Die Bettdecke wieder bis zum Kinn hochziehen, weil das einfach viel kuscheliger ist.

Anna-Maria Bauer | über die schönen Seiten des Herbsts

Die dritte Jahreszeit hat es ja nicht leicht. Denn mit der Abnahme der Sonnenstunden und dem Abkühlen der Temperaturen nehmen verlässlich die Nörgeleien darüber zu, dass die schönste Jahreszeit wieder vorbei ist, dass es nun wieder dunkel, kalt und trist wird. Weil mir, als Herbstkind, das Image dieser Jahreszeit aber besonders am Herzen liegt, hier ein paar Gründe, warum diese Zeit gar nicht mal so schlecht ist.

Denn man kann: Mit den Füßen durch bunte Blätterhaufen pflügen (auch wenn man dafür schon viel zu alt ist). Durch einen herbstlichen Wald spazieren und sich ein wenig ergriffen fühlen, weil die Sonnenstrahlen, die die bunten Blätter golden färben, eine ganz eigene Stimmung erzeugen. Drachen steigen lassen. Sich vom kalten Wind so richtig auslüften lassen. Davon neue Energie bekommen. Endlich das Hobby ausprobieren, das man sich zu Silvester vorgenommen hat. Diesmal wirklich ein Theaterabo organisieren. Städtetrips machen, weil man wieder ohne Schweißausbruch durch die Gassen schlendern kann. Am Wochenende auch zu Mittag laufen gehen, weil man dabei keinen Hitzschlag mehr bekommt. Das gleiche gilt fürs Radfahren. In Wien mit der U-Bahn in die Therme fahren (weil man das jetzt kann). Dort im beheizten Außenbecken schwimmen, die Hitze am Körper spüren und dabei einen kühlen Kopf bewahren. Am Wochenende einfach nichts tun, weil es kein Badewetter gibt, das einem ein schlechtes Gewissen bereiten würde, wenn man Zuhause bleibt. Sich mit einem Buch auf die Couch zurückziehen und dem Sturm beim Heulen zuhören. Sturm trinken. Wenn’s ein bisschen kälter ist: Glühwein trinken. Maroni braten. Maroniherzen essen. Gansl essen. Kürbis schnitzen. Das Halloweenkostüm vorbereiten. Halloween feiern. Das Weihnachtsfeieroutfit vorbereiten. Generell neue Kleidung kaufen. Dicke Kaputzenpullis und lange, weiche Schals tragen, die einen wie ein Schutzschild umgeben. Und natürlich: Die Bettdecke wieder bis zum Kinn hochziehen, weil das einfach viel kuscheliger ist.