Meinung
16.06.2017

Phallus

Ich hab meiner Schwiegermutter einen Phallus aus dem Urlaub mitgebracht.

Ich hab meiner Schwiegermutter einen Phallus aus dem Urlaub mitgebracht.

Mag. Simone Hoepke | über den Phallus-Kult

Ich hab meiner Schwiegermutter einen Phallus aus dem Urlaub mitgebracht. Also einen etwa zwanzig Zentimeter hohen Holzpenis, der knallrot angemalt ist.

Zuhause angekommen kommt mir das Mitbringsel plötzlich völlig daneben vor. So geht’s mir oft mit Souvenirs. Daheim mag ich sie nicht mehr. Nicht einmal der beste Ouzo aus Griechenland schmeckt mir auf der Wohnzimmercouch.

Jetzt also der Penis. In Bhutan ist er allgegenwärtig. Fährt man über die holprigen Straßen, baumelt seine Miniatur-Variante am Rückspiegel, so wie bei uns ein Rosenkranz. An manchen Häusern hängt er an allen vier Ecken vom Dach. Er prangt auf unzähligen Häuserfassaden und hängt an Schlüssel- und Kettenanhängern. Er gilt als Beschützer vor allem Bösen. Aber im Herrgottswinkel in Schwiegermutters Küche fällt er völlig aus dem Rahmen.

Ich versuche zu argumentieren. Erzähle vom tibetischen Lama namens Drukpa Kunley, dem die Bhutaner den Phallus-Kult verdanken. Kunley (1455–1529) mochte ganz offiziell Frauen und Alkohol und hat es trotzdem zum Nationalheiligen geschafft. Angeblich sind nicht nur seine Lehren, sondern auch seine Unterhosen erhalten geblieben. Genial, oder?!

Bhutan ist ein interessantes Land. Hohe Berge, viel Wald, eigenartige Bräuche. Eigentlich wie Österreich. Nur mit einem König, dem es am allerwichtigsten ist, dass sein Volk glücklich ist.

Letzteres hat der alte König spontan einem Journalisten gesagt. Der ist aus dem Ausland daher gekommen und hat rotzfrech gefragt, was der König gegen die Armut in Bhutan zu tun gedenkt – schließlich sei das Land statistisch gesehen eines der ärmsten der Welt. Das war nicht ganz fair. Schließlich gab es im Königreich keine Hungerbäuche. Es war nur so, dass die Bhutaner großteils vom Tauschhandel lebten, was sie in der Einkommensstatistik arm ausschauen ließ. Der König antwortete trotzig, dass es ihm wichtiger sei, dass die Leute glücklich sind – die Geburtsstunde des Bruttosozialglücks. Damit wurde Bhutan weltbekannt. Auch als Urlaubsland, was die Wirtschaft ankurbelt.